Gelsenkirchen (dpa) - Getreu dem Motto «Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung» wollen die gescholtenen Bundesliga-Stars des FC Schalke 04 in der Königsklasse die Herzen der Fans zurückgewinnen.

Christian Fuchs gab vor dem zweiten Spiel der Gruppe B gegen den französischen Meister Montpellier HSC am Mittwoch zu, dass die Mannschaft nach dem 2:2 in Düsseldorf einige Zeit am kollektiven Versagen zu knabbern hatte. «Der trainingsfreie Sonntag hat uns allen gutgetan, um vor dem wichtigen Champions-League-Spiel etwas runter zu kommen», räumte der Abwehrspieler ein.

Man habe das Fortuna-Spiel «gemeinsam noch einmal kritisch betrachtet», erklärte Fuchs, ließ aber offen, in welcher Form die Analyse erfolgte. Egal, ob es eine Standpauke von Manager Horst Heldt oder Trainer Huub Stevens gab - es reifte offenbar der Wille zur Wiedergutmachung. «Aus unseren gemachten Fehler müssen wir lernen, das ist klar. Am besten so schnell wie möglich», fordert Fuchs.

Die Schalker Profis sind froh, den miserablen Eindruck von Düsseldorf am Mittwoch vergessen machen zu können. Dass das Heimspiel gegen den weitgehend unbekannten Gegner kein Selbstläufer wird, ist den Revierkickern aber klar. «Wer in Frankreich Meister geworden ist, den werden wir bestimmt nicht unterschätzen», beteuerte Benedikt Höwedes. Der Kapitän will «nach zwei Spieltagen mit sechs Punkten dastehen».

Fuchs mag sich auch nicht vom schwachen Start der Südfranzosen, die in der Ligue 1 nach sieben Spieltagen nur Platz 13 belegen, täuschen lassen. «Das muss nichts heißen. Französische Mannschaften sind generell spielstark und verfügen über große Qualitäten in der Offensive», meint der österreichische Linksverteidiger skeptisch.

Heldt hatte sich dem Vernehmen nach das Team am Samstag vor dem Training 45 Minuten lang vorgeknöpft. Der Vorwurf, bei der gefühlten «0:5-Niederlage» die Punkte durch eigene Arroganz verspielt zu haben, stand im Raum. «Es haben alle versagt», so Heldt ungewohnt ungehalten. Dass die deutlichen Worte bei den Spielern angekommen sind, müssen sie gegen das Team von Trainer René Girard beweisen.

Mit welchem Personal die Königsblauen nach dem 2:1-Auftaktsieg bei Olympiakos Piräus ins Duell mit dem Überraschungsmeister aus Frankreich gehen, ist noch nicht sicher. Bei Jefferson Farfán, der wegen einer Sprunggelenksverletzung in Düsseldorf fehlte, und dem ebenfalls angeschlagenen Jermaine Jones (Schlag gegen Knöchel) muss Stevens das Abschlusstraining abwarten. Ein Ausfall der beiden Leistungsträger wäre ein herber Verlust. Als Alternativen stünden Ibrahim Afellay und Marco Höger bereit.

Egal, wer spielt - wichtig ist für Stevens, dass seine Akteure mehr Konstanz und Disziplin über 90 Minuten zeigen und ihre Chancen konsequent nutzen. Da ist nicht nur Topstürmer Klaas-Jan Huntelaar als Vollstrecker gefragt, mit dem der Schalker Coach zuletzt auch nicht zufrieden war. In Düsseldorf holte er seinen Landsmann zehn Minuten vor Schluss vom Feld. Was dem ehrgeizigen Angreifer nicht behagte. «Wenn er meint, dass es besser ist, dann muss er es so machen», knurrte Huntelaar. Gegen Montpellier dürfte der «Hunter» mit Wut im Bauch auf Torejagd gehen.