Rom (dpa) - Papst Benedikt XVI. hat die deutsche Mystikerin, Äbtissin und Autorin Hildegard von Bingen am Sonntag zur Kirchenlehrerin ernannt. Sie habe als «bedeutende weibliche Gestalt des 12. Jahrhunderts» einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung der Kirche ihrer Zeit geleistet.

Das sagte der Papst bei einem feierlichen Gottesdienst auf dem Petersplatz in Rom. Hildegard habe sich als eine Frau von «lebhafter Intelligenz, tiefer Sensibilität und anerkannter geistlicher Autorität» erwiesen. Die Benediktinerin (um 1098 bis 1179) gilt als populärste Deutsche des Mittelalters. Sie wirkte als Visionärin, Mystikerin und Heilkundlerin. Zum Kirchenlehrer erhob der Papst auch den heiligen Johannes von Avila.

Die heilige Hildegard bekommt als vierte Frau den Titel, mit dem die katholische Kirche für besondere Rechtgläubigkeit in der Lehre, Heiligkeit oder eine hervorragende wissenschaftliche Leistung würdigt. Dem Kreis der nunmehr 35 Kirchenlehrer («doctor ecclesiae») gehören mit ihr und dem heiligen Albertus Magnus nun zwei Deutsche an.

Zugleich eröffnete der Papst eine der größten Bischofssynoden der vergangenen 50 Jahre. Unter dem Motto «Die Neuevangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens» geht es vor allem um die Glaubensmüdigkeit in den Industrieländern.

«Die Kirche existiert, um zu evangelisieren», sagte Benedikt XVI. Einen besonderen Schwerpunkt setzte er in seiner Predigt bei der Ehe, die «leider gerade in den seit alten Zeiten evangelisierten Gebieten jetzt aus verschiedenen Gründen eine tiefe Krise durchmacht». «Es besteht eine offenkundige Entsprechung zwischen der Krise des Glaubens und der Krise der Ehe», betonte Benedikt.

Knapp 300 Teilnehmer aus aller Welt wollen drei Wochen beraten, wie die Menschen wieder mehr an die Kirche gebunden werden können. An dem Treffen nehmen Kardinal Joachim Meisner, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch, Bischof Franz-Josef Bode und Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Erzbischof Zollitsch war vom Papst 2010 als einziger Deutscher in den neu gegründeten Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung berufen worden.

Vatikan-Dokument zur Synode