München (dpa) - Die Fusion von EADS und BAE Systems ist endgültig gescheitert. Beide Unternehmen gaben am Mittwoch wie erwartet ihre Pläne für den Bau eines neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns auf.

Sie kapitulierten damit vor dem großen politischen Widerstand der Regierungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Das Projekt würde nicht weiterverfolgt, teilten EADS und BAE mit. Unterdessen schieben sich Politiker die Verantwortung zu. Der Widerstand gegen den Zusammenschluss hatte sich rasch nach dem überraschenden Bekanntwerden der Pläne vor rund vier Wochen formiert.

Die beiden Unternehmen glauben weiter an die industrielle Logik der Verbindung, heißt es in einer Pflichtmitteilung. Es sei deutlich geworden, dass die Interessen der beteiligten Parteien nicht in Einklang gebracht werden konnten. Damit wird aus Sicht von EADS und BAE eine Chance vergeben. Doch überzeugen konnten EADS-Chef Tom Enders und sein Amtskollege bei BAE Systems, Ian King, die Regierungen nicht, wie bereits am Dienstag aus Kreisen bekanntgeworden war, die in die Gespräche eingebunden waren.

Der milliardenschwere Zusammenschluss hätte eine riesige Waffenschmiede geschaffen, nun müssen beide Unternehmen weiter alleine klar kommen. Während des gesamten Prozesses hatte sich die Bundesregierung bedeckt gehalten. In Großbritannien und Frankreich sehen Verhandlungsteilnehmer die Verantwortung für das Scheitern des Milliarden-Deals in Berlin. Dort hieß es, die Regierung habe größte Bedenken gehabt und aus strategischen Gründen das Geschäft abgelehnt, wie mit dem Vorgang Vertraute in Berlin der dpa sagten.

In Brüssel bestritt Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), dass deutscher Widerstand die Fusion verhindert habe: «Ich habe diese Meinung zur Kenntnis genommen, ich teile sie nicht.» Das Scheitern sei eine unternehmerische Entscheidung: «Es hat dazu viele Gespräche gegeben, wir haben dazu unsere Meinung gesagt.» Deutschland und Frankreich verfügen direkt und indirekt über jeweils gut 22 Prozent der EADS-Anteile, die deutschen Interessen nimmt der Autokonzern Daimler wahr. Größter Streitpunkt war die Verteilung der Anteile zwischen den Staaten nach einer Fusion der beiden Konzerne.

Der deutsche Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze (CDU), begrüßte den Erhalt der Unabhängigkeit von EADS. «Ich bin davon überzeugt, dass EADS seine Stärken am besten selbstständig auf dem Weltmarkt zur Geltung bringen kann», sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der dpa. Davon würden auch die deutschen EADS-Standorte profitieren. «Die Technologienation Deutschland hat ein originäres Interesse daran, dass Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion bei uns stark bleiben.»

Der Chef der CSU-Wirtschaftskommission, Markus Blume, nannte Hintzes Haltung befremdlich. «Leider hat er als gebetsmühlenartiger Bedenkenträger in der Bundesregierung die Fusionsüberlegungen von Beginn an kritisch begleitet, ohne selbst eine langfristige Vorstellung formulieren zu können, wo Deutschland aus eigener Kraft im Bereich der Luft- und Raumfahrt hin will», teilte Blume mit.

EADS und BAE müssen nun mit den Aufräumarbeiten beginnen. «Es ist natürlich schade, dass wir keinen Erfolg hatten, aber ich bin froh, dass wir es versucht haben», schrieb Enders. Er sei zuversichtlich, dass EADS seinen internationalen Wachstumskurs weiter fortsetzen werde. BAE-Chef Ian King sagte, er sei enttäuscht, dass die Fusion nicht komme. EADS wollte sich Zutritt auf wichtige, bisher kaum erreichbare Rüstungsmärkte sichern. Es ist durchaus denkbar, dass nun auch eine Personaldebatte beginnt.

Berlin stärkte Enders bereits demonstrativ den Rücken. «Die Bundesregierung unterstützt die bereits heute vorhandene Zusammenarbeit beider Unternehmen und hat volles Vertrauen in die unternehmerische Führung von EADS», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Regierung nehme das Scheitern «zur Kenntnis».

Frankreichs Präsident François Hollande sieht die Schuld nicht bei der Politik. «Das ist die Entscheidung der Unternehmen», sagte er in Paris. Sein Land habe allerdings Forderungen in Bezug auf den künftigen Staatsanteil, die Standorte für die Unternehmenssitze und Interessen gestellt. Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond gab hingegen der Politik die Schuld. Es sei zu schwierig gewesen, unterschiedliche Interessen zu vereinbaren, sagte er.

Aus Sicht der oppositionellen Labour-Partei sind nun Jobs auf der Insel in Gefahr. BAE trifft das Scheitern hart, Beobachter halten es für möglich, dass BAE nun selbst zum Übernahmekandidaten etwa für US-Konzerne werden könnte. Auch die EADS-Rüstungstochter Cassidian leidet seit langem unter den sinkenden Verteidigungsausgaben der europäischen Länder.

Mitteilung EADS BAE