München (dpa) - Die EADS/BAE Systems-Fusion ist endgültig gescheitert. Beide Unternehmen gaben wie erwartet ihre Pläne für den Bau eines neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns auf und kapitulierten damit vor dem großen politischen Widerstand der Regierungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Das Projekt würde nicht weiterverfolgt, teilten EADS und BAE mit. Der milliardenschwere Zusammenschluss hätte eine riesige Waffenschmiede geschaffen, nun müssen beide Unternehmen weiter alleine klar kommen. Während des gesamten Prozesses hatte sich die Bundesregierung bedeckt gehalten. In Großbritannien und Frankreich sehen Verhandlungsteilnehmer die Verantwortung für das Scheitern des Milliarden-Deals in Berlin.

Beide Konzerne glaubten weiter an die industrielle Logik der Verbindung, heißt es in der Pflichtmitteilung. Es sei aber deutlich geworden, dass die Interessen der beteiligten Parteien nicht in Einklang gebracht werden konnten. Damit wird aus Sicht von EADS und BAE eine Chance vergeben. Doch überzeugen konnten EADS-Chef Tom Enders und sein Amtskollege bei BAE Systems, Ian King, die Regierungen nicht, wie bereits am Dienstag aus Kreisen bekanntgeworden war, die in die Gespräche eingebunden waren.

«Es ist natürlich schade, dass wir keinen Erfolg hatten, aber ich bin froh, dass wir es versucht haben», schrieb Enders. Er sei zuversichtlich, dass EADS seinen internationalen Wachstumskurs weiter fortsetzen werde. BAE-Chef Ian King schrieb, er sei enttäuscht, dass die Fusion nicht komme. Beide Konzernlenker hatten in den vergangenen Wochen intensiv für den Zusammenschluss geworben. EADS wollte sich Zutritt auf wichtige, bisher kaum erreichbare Rüstungsmärkte sichern. Es ist durchaus denkbar, dass nun auch eine Personaldebatte beginnt.

Die Bundesregierung stärkte Enders am Mittwoch jedenfalls demonstrativ den Rücken. «Die Bundesregierung unterstützt die bereits heute vorhandene Zusammenarbeit beider Unternehmen und hat volles Vertrauen in die unternehmerische Führung von EADS», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Der deutsche Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze (CDU), begrüßte den Erhalt der Unabhängigkeit von EADS. «Ich bin davon überzeugt, dass EADS seine Stärken am besten selbstständig auf dem Weltmarkt zur Geltung bringen kann», sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der Deutschen Presse-Agentur dpa. Davon würden auch die deutschen EADS-Standorte profitieren. «Die Technologienation Deutschland hat ein originäres Interesse daran, dass Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion bei uns stark bleiben.»

Der Chef der CSU-Wirtschaftskommission, Markus Blume, nannte Hintzes Haltung hingegen befremdlich. «Leider hat er als gebetsmühlenartiger Bedenkenträger in der Bundesregierung die Fusionsüberlegungen von Beginn an kritisch begleitet, ohne selbst eine langfristige Vorstellung formulieren zu können, wo Deutschland aus eigener Kraft im Bereich der Luft- und Raumfahrt hin will», teilte Blume mit.

Für den britischen Verteidigungsminister Philip Hammond trägt die Politik die Schuld. Es sei zu schwierig gewesen, unterschiedliche Interessen zu vereinbaren, sagte er. Aus Sicht der oppositionellen Labour-Partei sind nun Jobs auf der Insel in Gefahr. BAE trifft das Scheitern hart, Beobachter halten es für möglich, dass BAE nun selbst zum Übernahmekandidaten etwa für US-Konzerne werden könnte. Auch die EADS-Rüstungstochter Cassidian leidet seit langem unter den sinkenden Verteidigungsausgaben der europäischen Länder.

Frankreichs Präsident François Hollande sieht die Schuld nicht bei der Politik. «Das ist die Entscheidung der Unternehmen», sagte er in Paris. Sein Land habe allerdings Forderungen in Bezug auf den künftigen Staatsanteil, die Standorte für die Unternehmenssitze und Verteidigungsinteressen gestellt. Er erinnerte daran, dass der französische Staat im Gegensatz zum deutschen und britischen direkt an EADS beteiligt sei. Frankreich werde dem Unternehmen auch in Zukunft alle notwendige Unterstützung zukommen lassen.

BAE-Chef King sagte, es gebe derzeit keine Pläne für andere Zusammenschlüsse. «Wir haben eine exzellente Strategie, und dies wäre ein Zusatz dazu gewesen, kein Ersatz», betonte King in einer Telefonkonferenz. BAE habe eine gute Gewinnmarge und eine klare Zukunftsvision. Dennoch wäre die Fusion eine «einzigartige Möglichkeit» gewesen, doch die Grenzen dafür seien überschritten worden. «Wir waren uns sicher, dass wir nichts tun würden, was unsere Partner in den USA verärgern würde», sagte King.

Der Widerstand gegen den Zusammenschluss hatte sich rasch nach dem überraschenden Bekanntwerden der Pläne formiert. Größter Streitpunkt war der staatliche Einfluss, den sich Deutschland und Frankreich sichern wollten. Beide Länder verfügen direkt und indirekt über jeweils gut 22 Prozent der EADS-Anteile, die deutschen Interessen nimmt der Autokonzern Daimler wahr. Schon deswegen gilt EADS als nur schwer steuerbar.

Mitteilung EADS BAE