Kairo (dpa) - Der politische Streit wird in Ägypten jetzt wieder mit Fäusten ausgetragen. Islamisten und Vertreter von Parteien aus dem linken und liberalen Spektrum gingen während einer Kundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo aufeinander los.

Nach Angaben von Augenzeugen wurden zwölf Demonstranten schwer verletzt, als Anhänger des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi mit Stöcken und Eisenstangen um sich schlugen. Sie zerlegten eine Tribüne der säkularen Opposition. Nach Angaben von Augenzeugen flogen auch Steine. Die Polizei griff nicht ein.

Die Islamisten riefen: «Das Volk will die Säuberung der Justiz» und «Wir lieben dich, oh Mursi». Sie trugen Bilder von Hassan al-Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft. Die «Revolutionsjugend» und Mitglieder verschiedener linker Parteien schrien ihnen entgegen: «Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder» und «Nieder mit dem Verfassungsrat».

Präsident Mursi, der seine politische Heimat in der Muslimbruderschaft hat, hatte am Donnerstag den Generalstaatsanwalt Abdelmagid Mahmud entlassen. Hintergrund dafür war ein Freispruch für 24 ehemalige Funktionäre. Diese waren verdächtigt worden, Anfang Februar 2011 einen Angriff berittener Schlägertrupps auf Demonstranten in Kairo organisiert zu haben. Damals, als sich die Proteste noch gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak richteten, hatten die Islamisten noch Seite an Seite mit Menschenrechtlern, Linken und Liberalen demonstriert.

Die Staatsmedien berichteten am Freitag, der Generalstaatsanwalt habe sich geweigert, sein Amt aufzugeben. Mahmud sagte demnach, Mursi dürfe ihn gar nicht entlassen. Der Generalstaatsanwalt könne nur selbst seinen Rücktritt anbieten, und dies habe er nicht vor.

Die linken und liberalen Parteien hatten sich am Mittag zu einer bereits seit Wochen geplanten Kundgebung gegen Mursi und das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee versammelt. Die Islamisten hatten ihre Anhänger am Donnerstag kurzfristig dazu aufgerufen, zur selben Zeit auf dem Platz zu protestieren. Das Motto ihrer Kundgebung lautete: «Säuberung der Justiz».

Die sogenannte Revolutionsjugend kritisierte den Protest der Islamisten. Ein Sprecher sagte, wer an der Macht sei, habe kein Recht zu demonstrieren.