Istanbul/Kairo (dpa) - Nach den gewalttätigen Protesten gegen die Politik des neuen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi lehnt sich jetzt auch die Justiz auf. Der von Mursi entlassene Generalstaatsanwalt Abdelmagid Mahmud weigerte sich am Samstag lautstark, sein Amt niederzulegen.

Während einer Pressekonferenz betonte der sichtlich aufgebrachte Jurist, er werde seinen Posten nicht verlassen - außer er werde ermordet. Auf dem Kairoer Tahrir-Platz kehrte am Samstag wieder Ruhe ein, nachdem zuvor bei gewalttätigen Ausschreitungen rund 200 Menschen verletzt worden waren.

Ägyptens neuer Präsident Mursi, dessen politische Heimat die Muslimbruderschaft ist, hatte den Generalstaatsanwalt am Donnerstag entlassen. Das Staatsoberhaupt reagierte damit auf einen Freispruch für 24 ehemalige Funktionäre der Regierung des gestürzten Langzeitmachthabers Husni Mubarak. Sie waren wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an der sogenannten «Kamel-Schlacht» angeklagt worden.

Am 2. Februar 2011 hatten Mubarak-Anhänger Männer auf Pferden und Kamelen zum Tahrir-Platz geschickt. Sie schlugen mit Messern und Knüppeln auf die Demonstranten ein, die den Rücktritt des damaligen Präsidenten forderten.

Mursi machte Generalstaatsanwalt Abdelmagid Mahmud für die Urteile verantwortlich. Dieser argumentierte während einer live übertragenen Pressekonferenz, dass ihn der Präsident gemäß der geltenden Verfassung überhaupt nicht entlassen dürfe. Unterstützt wird der Generalstaatsanwalt von der Berufsgenossenschaft der Richter.

Auf dem Tahrir-Platz im Kairoer Zentrum kehrte derweil wieder Ruhe ein. Bei den Ausschreitungen am Tag zuvor waren rund 200 Menschen verletzt worden, als Islamisten und Vertreter von Parteien aus dem linken und liberalen Spektrum aufeinander losgingen. Die Linken und Liberalen hatten sich dort zum Protest gegen den Präsidenten Mursi versammelt.

Die unabhängigen Tageszeitungen kritisierten am Samstag vor allem Anhänger der Muslimbrüder, die mit Stöcken und Eisenstangen um sich geschlagen hatten. Die Zeitung «Al-Tahrir» zog mit dem Titel «Die Kamel-Schlacht der Bruderschaft» gar einen Vergleich zu dem brutalen Vorgehen des Mubarak-Regimes. Auch «Al-Masry al-Youm» schrieb: «Eine Schlacht ohne Kamel.»

Während die linken und liberalen Parteien ihren Protest schon seit Wochen geplant hatten, mobilisierten die Islamisten kurzfristig zur selben Zeit an den selben Ort, um gegen die Freisprüche der ehemaligen Mubarak-Funktionäre zu demonstrieren. Nach kurzer Zeit brach die Gewalt aus.