Berlin/Dresden (dpa) - Die Mitglieder der Neonazi-Terrorzelle NSU und deren Umfeld waren nach einem Zeitungsbericht länger im Visier des Verfassungsschutzes als bisher bekannt.

Die sächsischen Sicherheitsbehörden hätten eine im Mai 2000 durchgeführte Abhörmaßnahme gegen die Rechtsextremisten erst im November 2010 förmlich abgeschlossen, berichtet die «Welt» (Samstag) unter Berufung auf streng geheime Akten der Operation «Terzett». Damit seien die Mitglieder der Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, noch 2010 als gefährlich eingestuft worden.

Bereits in dem Antrag zu der Überwachung seien Struktur und Ziel der Terrorgruppe überraschend genau beschrieben worden. «Die Betroffenen stehen im Verdacht, Mitglieder einer Vereinigung zum Begehen von Straftaten gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und schwerer rechtsextremistischer Straftaten zu sein und drei flüchtige Straftäter in der Illegalität zu unterstützen», zitiert die «Welt» aus den Akten. Die sogenannte G 10-Maßnahme habe sich gegen das Neonazi-Trio und drei heute im NSU-Verfahren der Bundesanwaltschaft Beschuldigte sowie eine weitere Person gerichtet.

Die Obfrau der Linken im NSU-Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtages, Kerstin Köditz, zeigte sich am Samstag überrascht. Sie forderte Aufklärung von Innenminister Markus Ulbig (CDU), warum eine sächsische Behörde schon 2000 einen Terror-Verdacht als Begründung für die Abhöraktion anführte. Ulbig solle bei der Landtagssitzung dazu eine Erklärung abgeben, forderte Köditz.