Istanbul (dpa) - Nach dem jüngsten Säbelrasseln an der türkisch-syrischen Grenze bemühen sich Diplomaten um eine Deeskalation. Die Türkei kritisiert die UN scharf. Aus Syrien kam derweil ein Friedensangebot.

Ankara wirft den Vereinten Nationen Handlungsunfähigkeit vor. So wie die UN vor zwanzig Jahren tatenlos dem Morden auf dem Balkan zugesehen hätten, so sprachlos seien sie angesichts der Syrien-Krise, wetterte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan laut türkischer Nachrichtenagentur Anadolu bei einer Konferenz - wenige Stunden vor politischen Gesprächen seines Außenministers mit UN-Vermittler Lakhdar Brahimi.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle reiste ebenfalls zu einem Treffen mit seinem Amtskollegen Ahmet Davutoglu in die Türkei. Auf dem Rückflug von einer China-Reise legte er dazu am Samstag einen Zwischenstopp in Istanbul ein. In den vergangenen Tagen hatte er die Türkei und Syrien mehrfach zur Besonnenheit gemahnt.

Brahimi, der seit dem 1. September Sondergesandter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien ist, tritt für eine politische Lösung des Konflikts ein. Der Algerier hatte sich am Vortag bereits mit dem saudischen König Abdullah getroffen, um über die Krise zu beraten. Brahimi habe betont, dass die Krise nicht militärisch gelöst werden könne, sondern nur durch einen politischen Prozess, teilten die UN im Anschluss an das Treffen in Dschidda mit.

Syrien zeigte sich offen für eine Sicherheitskooperation mit dem Nachbarn Türkei. Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf das Außenministerium berichtete, wird eine direkte Kommunikation mit den Verantwortlichen auf türkischer Seite angestrebt. Es solle dabei ein Mechanismus gefunden werden, um die Sicherheit auf beiden Seiten der Grenze wiederherzustellen und zugleich die Souveränität beider Länder zu gewährleisten.

Zwischen der Türkei und Syrien hat sich der Ton in den vergangenen Tagen deutlich verschärft. Im türkischen Grenzgebiet schlagen immer wieder Granaten aus Syrien ein. Die Türkei feuert zurück. Die Beziehungen sind zudem belastet, weil die Türkei am Mittwoch ein syrisches Passagierflugzeug auf dem Weg von Moskau nach Damaskus zur Landung in Ankara zwang. An Bord sollen Rüstungsgüter gewesen sein, die angeblich in Russland geladen worden waren.

In Syrien dauerten die Kämpfe weiter an, Aktivisten meldeten Dutzende Tote. Die in London ansässigen syrischen Menschenrechtsbeobachter berichteten von Luftangriffen des Regimes auf die von Rebellen kontrollierten Gebiete in Idlib. In der grenznahen Region war es zuvor zu einer neuen Eskalation gekommen - als die türkische Luftwaffe am Freitag als Reaktion auf Bombardements syrischer Kampfflugzeuge unweit der Grenze Warnmanöver flog.