Istanbul/Damaskus (dpa) - Angesichts zunehmender internationaler Spannungen durch den Syrien-Konflikt trifft sich Außenminister Guido Westerwelle heute mit seinem türkischen Kollegen Ahmet Davutoglu. Auf dem Rückflug von einer China-Reise legt Westerwelle dazu einen Zwischenstopp in Istanbul ein.

In den vergangenen Tagen hatte er die Türkei und Syrien bereits mehrfach zu Besonnenheit gemahnt. Kritik gibt es auch an Russland, weil von dort ein Flugzeug mit Militärgütern für das Regime von Präsident Baschar al-Assad nach Syrien gestartet sein soll.

Die russische Regierung wies die Beschuldigungen am Freitagabend erneut zurück. Das von türkischen Kampfflugzeugen zur Landung in Ankara gezwungene Flugzeug habe eine völlig legale Lieferung von Radarteilen an Bord gehabt, sagte Außenminister Sergej Lawrow nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. «Eine solche Beförderung mit Passagierflugzeugen ist gängige Praxis und nach internationalen Gesetzen absolut legal», betonte der Ressortchef. Russland habe hier «keine Geheimnisse». Das russische Unternehmen, das die Radarteile mit der syrischen Maschine nach Damaskus geschickt habe, werde deren Rückgabe von der Türkei verlangen, kündigte Lawrow an.

Zwischen der Türkei und Syrien hat sich der Ton in den vergangenen Tagen deutlich verschärft. Im türkischen Grenzgebiet schlagen immer wieder Granaten aus Syrien ein. Die Türkei feuert zurück. In der vergangenen Woche hatte das türkische Parlament Militäreinsätze im Nachbarland erlaubt, nachdem in einem türkischen Grenzdorf eine Mutter und ihre vier Kinder durch eine in Syrien abgefeuerte Granate getötet worden waren.

Erstmals schaltete sich am Freitagabend nach Medienberichten die türkische Luftwaffe in die Kämpfe zwischen Assad-Truppen und Regimegegnern ein. Wie der türkische Fernsehsender ntvmsnbc berichtete, stiegen zwei F-16-Jets auf und flogen Warnmanöver entlang der Grenze, während syrische Kampfflugzeuge unweit Stellungen der oppositionellen Freien Syrischen Armee in der Grenzstadt Asmarin bombardierten.

Die Tageszeitung «Hürriyet» berichtete am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise, dass die türkische Luftwaffe 15 Kampfjets aus anderen Landesteilen ins Grenzgebiet zu Syrien verlegt habe. Auch die Zahl der Panzer sei um noch einmal 60 auf jetzt 250 erhöht worden.