Wiesbaden (dpa) - Das Armutsrisiko in Deutschland steigt immer weiter. Rund 12,8 Millionen Menschen - das sind 15,8 Prozent der Einwohner - waren im Jahr 2010 armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und ihre Kinder.

In dieser Gruppe war mehr als jeder Dritte armutsgefährdet (37,1 Prozent), teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Als armutsgefährdet galt 2010, wer nach Beanspruchung staatlicher Leistungen weniger als 11 426 Euro im Jahr oder 952 Euro im Monat zum Leben hatte. Die Daten werden seit 2005 erhoben. Damals lag die Quote der Armutsgefährdeten noch bei 12,2 Prozent. Seitdem stieg sie kontinuierlich. 2009 erreichte sie 15,6 Prozent.

Frauen (16,8 Prozent) sind dabei häufiger von Armut betroffen als Männer (14,9 Prozent). Die Armutsquote von Minderjährigen lag 2010 mit 15,6 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt. Bei den älteren Menschen ab 65 Jahren lag der Wert mit 14,2 Prozent noch niedriger. Bei Alleinlebenden war jede dritte Person (36,1 Prozent) unter 65 Jahren armutsgefährdet. In Haushalten von zwei Erwachsenen unter 65 Jahren traf dies auf 11,3 Prozent zu.

Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wolfgang Stadler, kritisierte: «Die Bundesregierung muss sich fragen lassen, wie es möglich ist, dass in wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten immer mehr Bürger arm werden.» Damit der Negativtrend sich nicht weiter fortsetzt, fordert er: «Die Abschaffung der Minijobs, Beibehaltung der Rentenquote von 51 Prozent und ausreichend gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten.»

Die von den Statistikern veröffentlichten Zahlen sind ein zentrales Ergebnis der Erhebung «Leben in Europa 2011». Dazu wurden mehr als 13 500 Haushalte und 24 220 Personen befragt.

Mitteilung Statistisches Bundesamt

Destatis zur Armutsgefährdung

Studie: Leben in Europa