Washington (dpa) - US-Präsident Barack Obama hat mit großer Angriffslust im zweiten Rededuell verlorenen Boden auf Herausforderer Mitt Romney gut gemacht.

Drei Wochen vor der Wahl warf Obama in der hitzigen TV-Debatte seinem republikanischen Widersacher am Dienstagabend (Ortszeit) mehrfach vor, den Wählern nicht die Wahrheit zu sagen. Romney verdrehe die Tatsachen etwa in der Energie- und Sozialpolitik und mache den Wählern Steuerversprechen, die er nicht halten könne, sagte Obama in der Hofstra University in Hempstead (New York). Romney hielt dem Präsidenten vor, in seinen vier Jahren im Weißen Haus zu wenig gegen die hohe Arbeitslosigkeit getan zu haben.

In einer nicht repräsentativen Schnellumfrage schnitt Obama mit seinen Attacken gegen Romney deutlich besser ab als nach dem ersten Rededuell. Anfang Oktober war der Präsident über weite Strecken passiv geblieben. Daraufhin hatte Obama seinen über Monate gehaltenen Vorsprung in Umfragen eingebüßt.

In der Umfrage von CNN/ORC sagten 46 Prozent der befragten Wähler in der Nacht zum Mittwoch, der Amtsinhaber habe die TV-Debatte gewonnen. 39 Prozent sahen den Republikaner Romney vorn. Die Autoren der Erhebung betonten allerdings, dass die Differenz von sieben Punkten im Fehlerbereich der Umfrage liege. Beim Auftakt vor zwei Wochen hatten 67 Prozent der befragten Wähler Romney vorn gesehen.

Die jüngste TV-Debatte sorgte für eine gewaltige Resonanz in den sozialen Netzwerken. Allein beim Kurznachrichtendienst Twitter gingen in der Nacht 7,2 Millionen Beiträge dazu ein.

Die beiden Kandidaten treffen am 22. Oktober noch einmal in einer dritten Debatte aufeinander. In Florida steht die Außenpolitik im Mittelpunkt.

Herausforderer Romney warf dem Präsidenten in der Nacht auf Mittwoch vor, es sei nicht akzeptabel, dass zum Ende von Obamas erster Amtszeit immer noch 23 Millionen Amerikaner nach einem vollwertigen Job suchen müssten.

Außerdem habe der Präsident viele seiner damaligen Wahlversprechen gebrochen. «Als er sich um das Amt bewarb, sagte er, er könne das Defizit halbieren. Stattdessen hat er es verdoppelt», sagte Romney. Durch die hohen Staatsschulden bringe der Präsident die USA «auf den Weg Richtung Griechenland».

Die Diskussion wurde während der eineinhalb Stunden phasenweise außerordentlich hitzig. Beide Kandidaten fielen einander immer wieder ins Wort und beklagten sich bei der Moderatorin, weniger Zeit für Antworten zu erhalten als der andere.

Obama reagierte auf die Erklärungen seines Kontrahenten mehrmals mit der Aussage: «Was Romney sagt, ist nicht wahr». Er machte dabei einen bedeutend angriffslustigeren Eindruck als im ersten Rededuell vor zwei Wochen, als er kraftlos gewirkt und Romney praktisch das Feld überlassen hatte.

Diesmal handelte es sich um eine «Town Hall Debate», eine Art Bürgerversammlung. Die Fragen stellten die Zuschauer, die vom renommierten Umfrage-Institut Gallup ausgewählt wurden. Themen waren sowohl Innen- als auch Außenpolitik. Von Beginn an standen auch die Steuerpläne und die schwache US-Konjunktur im Mittelpunkt.

Die Kandidaten mussten auch ihre Haltung zu Abtreibung, Einwanderung, Waffenkontrolle, Benzinpreise oder Bildung erklären. Obama warf Romney vor, in sozialen Fragen «noch extremer» zu sein, als sein republikanischer Vorgänger George W. Bush.

Auch die Tötung des US-Botschafters Chris Steven vor wenigen Wochen in Libyen provozierte eine harte Auseinandersetzung. Romney hielt der Obama-Regierung vor, zunächst verschleiert zu haben, dass es sich bei dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi um einen Terroranschlag gehandelt hätte. Obama wies das scharf zurück: «Die Andeutung, dass jemand in meinem Team irreführend gehandelt hat, als wir vier der Unseren verloren haben, ist beleidigend.» Schon einen Tag nach dem Angriff habe er öffentlich von einem Terroranschlag gesprochen.

Romney versuchte vor allem, die erste Amtszeit von Obama als Misserfolg zu kennzeichnen. «Wir müssen uns nicht damit zufriedengeben, was wir durchmachen», sagte er. «Ich weiß, dass ich das Land wieder auf Kurs bringen kann.»

Obama dagegen wollte Romney erneut als ruchlosen Unternehmer charakterisieren, der 47 Prozent der Bevölkerung für Sozialschmarotzer halte. Der Republikaner habe in Wahrheit nur einen «Ein-Punkt-Plan»: «Sicherzustellen, dass die Leute an der Spitze nach anderen Regeln spielen können». Romney wolle die Steuern für die Wohlhabenden senken und Vergünstigungen für die Mittelschicht streichen.

Er hielt ihm auch vor, privat Geld in Firmen in China zu investieren und daher in dem Handelskonflikt niemals so scharf gegen das Land vorzugehen, wie er es stets ankündige. «Sie sind die letzte Person, die hart gegen China auftreten wird», sagte Obama.