München (SID) - Auf dem Weg zu möglichen Olympischen Winterspielen 2022 hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude das Vorgehen des CSU-Stadtrates Mario Schmidbauer als "absurd" bezeichnet. Dieser hatte am Mittwoch angekündigt, der Stadtrat wolle auf dem Weg zu einem Bürgerbegehren bis zum 15. Januar 2013 weitere 35.000 Unterschriften einsammeln. Schmidbauer fand dabei Unterstützung bei Hans-Ulrich Hesse vom Bayerischen Landessportverband (BLSV).

Der Süddeutschen Zeitung sagte Ude, SPD-Ministerpräsidenten-Kandidat für die bayerische Landtagswahl 2013, allein die Fragestellung an die Bevölkerung ("Sind Sie dafür, dass sich die Landeshauptstadt München um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 bewirbt?") belege den "gebündelten Dilletantismus" der Initiative. Ein solcher Text verpflichte die Stadt in jedem Fall zu einer Bewerbung - selbst wenn Bund, Freistaat und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gar nicht mitziehen sollten.

Ude will die Münchner erst am 10. November 2013 über eine mögliche Bewerbung für Winter-Olympia 2022 abstimmen lassen - vier Tage vor Bewerbungsschluss beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Bis dahin müsse erst einmal die Unterstützung der Sportverbände sicher sein. Ohnehin fehlten zum jetzigen Zeitpunkt noch wichtige Münchener Details einer Bewerbung. Etwa: Steht das Grundstück an der Dachauer Straße auch diesmal für ein Olympisches Dorf zur Verfügung? Und gelingt bis 2022 der Ausbau der S-Bahn? Schmidbauer mache "den letzten Schritt vor dem ersten".

Für Verwirrung sorgten auch Aussagen von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der Auskünfte seiner eigenen Staatskanzlei dementierte. Noch am Dienstag hatte ein Sprecher erklärt, die Staatskanzlei halte am bisherigen Zeitplan fest, die Bürger erst dann zu befragen, wenn die Unterstützung des DOSB feststehe. Im Landtag sagte der Ministerpräsident jedoch, er halte es "eindeutig" für eine Lehre aus der gescheiterten Bewerbung für 2018, "zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Bevölkerung zu fragen und nicht am Ende des Verfahrens." Auf eine Unterstützung des nun angestoßenen Bürgerbegehrens wollte Seehofer sich aber nicht konkret festlegen.

Der bayerische Wissenschaftsminister und designierte FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2013, Wolfgang Heubisch, sieht in Udes Vorschlag mit einem Bürgerentscheid im November 2013 ein wahltaktisches Manöver: "Er möchte vor der Landtagswahl jeglichen Streit mit seinem grünen Möchtegern-Koalitionspartnern vermeiden." Heubisch ist für eine frühere Befragung der Bürger. "Alles andere wäre im Falle einer negativen Entscheidung eine unverantwortliche Verschwendung von Zeit und Geld."

Bereits am 3. März sollen die Einwohner von Davos und St. Moritz in einem Referendum über eine Bewerbung um Winterspiele 2022 entscheiden. Die beiden Schweizer Städte sind derzeit international ernsthaftester Kandidat. Interesse an Winterspielen 2022, die Ende Juli 2015 vergeben werden, hatten zuvor auch die Ukraine (Lwiw), Norwegen (Oslo) und Spanien (Barcelona/Pyrenäen) bekundet.