Berlin (dpa) - Gut vier Monate nach dem geplatzten Start des Hauptstadtflughafens hat ein Untersuchungsausschuss des Berliner Landesparlaments mit der Aufklärung des Debakels begonnen. Wegen Pannen und Fehlplanungen kam es immer wieder zu Verzögerungen des Milliardenprojekts.

Der Skandal um den Großflughafen in Berlin-Schönefeld habe zu einem «internationalen Reputationsverlust für Deutschland» geführt, sagte der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, der Piraten-Abgeordnete Martin Delius, am Freitag. Zum ersten Mal leitet ein Parlamentarier der noch jungen Piratenpartei ein solches Gremium.

Die neun Ausschussmitglieder wollen bis Ende 2013 herausfinden, wer die Verantwortung für Planungsfehler und die Kostenexplosion um 1,2 Milliarden auf 4,4 Milliarden Euro trägt. 78 Fragen umfasst der Untersuchungsauftrag - es geht um die Kostenentwicklung und die Umstände der geplatzten Eröffnung, die Bauphase und die Kommunikation zwischen den Gremien.

Ursprünglich war der Start des Großflughafens - nach einer ersten Verschiebung 2010 - für den 3. Juni 2012 vorgesehen. Nach aktueller Planung soll der Airport, der am Stadtrand im Land Brandenburg liegt, nun am 27. Oktober 2013 öffnen.

Der Untersuchungsausschuss, der am Freitag Beweisanträge besprach, tagte weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Vorsitzende Delius sagte: «Lernen, wie man es künftig besser machen kann», das sei das Ziel.

Die Aufarbeitung der Abgeordneten soll bei der Planungsphase in den 90er Jahren beginnen. Dazu soll nach dem Willen der Grünen-Fraktion auch Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) als Zeuge gehört werden. Diepgen hatte 1996 den Konsensbeschluss für einen Großflughafen am damals schon umstrittenen Standort unterzeichnet.

Streit gab es vor Beginn der Ausschussarbeit bereits um die Akten. Die Berliner Senatskanzlei habe 95 Prozent der Protokolle aus den Gremien für vertraulich erklärt, hatten die Grünen kritisiert. Er befürchte eine Blockadehaltung, sagte das grüne Ausschussmitglied Andreas Otto, da Diskussionen über diese Inhalte nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden dürften.

Dokumentensammlung U-Ausschuss