Istanbul (dpa) - Trotz einer fulminanten Leistung steht Angelique Kerber bei der Tennis-WM in Istanbul vor dem Aus. Die deutsche Nummer eins verlor vor rund 9000 Zuschauern im Sinan Erdem Dome gegen die Weltranglisten-Erste Victoria Asarenka aus Weißrussland mit 7:6 (13:11), 6:7 (2:7), 4:6.

Kerber kann den Einzug ins Halbfinale damit nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Selbst ein Sieg gegen die Chinesin Li Na am Donnerstag könnte für die Kielerin zu wenig sein.

Einen Tag nach der Niederlage gegen Serena Williams zeigte Kerber bei ihrem erst zweiten WM-Auftritt überhaupt Weltklasse-Tennis und vergab im zweiten Satz beim Stand von 5:4 sogar zwei Matchbälle. Nach packenden 3:06 Stunden musste sich die 24-Jährige der Vorjahresfinalistin aber doch beugen. Auch die Ovationen der türkischen Zuschauer konnten Kerber beim Verlassen der Arena nicht trösten.

Anders als gegen Serena Williams war Kerber dieses Mal keineswegs nervös und von Beginn an voll da. Zum 2:1 nahm die Kielerin der Weißrussin den Aufschlag ab und ging wenig später mit 3:1 in Führung, Asarenka wirkte sichtlich verblüfft. Zwar schaffte die Australian-Open-Siegerin zum 3:3 das Re-Break, doch Kerber zeigte sich unbeeindruckt und zwang den Branchenprimus nach einem hochklassigen Schlagabtausch in den Tiebreak.

Dort spitzte sich die Spannung zu. Zunächst zog Asarenka auf 6:2 davon, doch Kerber bewies wie so oft großes Kämpferherz und wehrte vier Satzbälle in Serie ab. Die Zuschauer tobten, aber Asarenka und Kerber waren mit ihrer Tennis-Show noch lange nicht fertig. Kerber vergab ebenfalls viermal die Chance, den ersten Durchgang für sich zu entscheiden. Auch Asarenka zeigte ein weiteres Mal Nerven.

Schließlich war es Kerber, die den Tiebreak nach 71 Minuten mit 13:11 gewann. Nur Steffi Graf und Lindsay Davenport 1996 sowie Helena Sukova und Jo Durie 1984 hatten jemals bei einer WM einen genauso langen Tiebreak gespielt.

Während ihr Trainer Torben Beltz und Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner in der Spielerbox begeistert aufsprangen, ballte Kerber nur kurz die Faust. Mit dem ersten Satzgewinn gegen Asarenka im dritten Duell wollte sie sich nicht zufriedengeben.

Doch Asarenka gelang es, ihre Wut über die eigene Vorstellung in eine Leistungssteigerung zu verwandeln. Mehrmals pfefferte sie ihren Schläger zu Boden, schimpfte und haderte immer wieder mit sich. Trotzdem gelang ihr nach 2:14 Stunden mit einem 7:2 im Tiebreak der Satzausgleich.

Im entscheidenden Durchgang verlor Kerber zweimal ihren Aufschlag, beim Stand von 5:3 schlug Asarenka bereits zum Matchgewinn auf. Doch Kerber warf noch einmal alles in die Waagschale und schaffte das Re-Break. Doch dann war die Linkshänderin mit ihren Kräften am Ende. Asarenka verwandelte ihren ersten Matchball und schrie danach ihre Erleichterung über den vermiedenen Fehlstart hinaus. So wie von Kerber war die Weltranglisten-Erste lange nicht gefordert worden.

Zu Beginn des zweiten Tages hatte Titelverteidigerin Petra Kvitova ihre weitere Teilnahme am Bosporus abgesagt. Die 22-Jährige musste wegen einer Viruserkrankung passen. Für sie rückt in der weißen Gruppe die Australierin Samantha Stosur nach. Serena Williams feierte in der roten Gruppe gegen Li Na ihren zweiten Erfolg.

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