Wolfsburg (dpa) - Volkswagen-Boss Martin Winterkorn hat seinen einstigen Liebling Felix Magath fallen gelassen.

Der 59 Jahre alte frühere Meistercoach ist nach übereinstimmenden Medieninformationen nicht mehr Trainer, Manager und Geschäftsführer des ambitionierten, aber seit drei Jahren chronisch erfolglosen VW-Clubs VfL Wolfsburg. Amateurcoach Lorenz-Günther Köstner soll zunächst als Interimscoach beim Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga fungieren und das Team im schweren Auswärtsspiel am Samstag bei Fortuna Düsseldorf betreuen. «Ich habe zugesagt, der Verein liegt mir am Herzen», sagte der 61-Jährige, der den VfL bereits 2010 nach der damaligen Beurlaubung von Armin Veh betreut hatte, zu «Bild.de».

Der VfL-Mutterkonzern hat mit dem einstigen Heilsbringer Magath angesichts der imageschädigen Auftritte des teuren Kaders in den vergangenen Monaten die Geduld verloren. Das Credo «Da, wo VW drauf steht, wollen wir ganz vorne mitspielen» gilt schon lange nicht mehr. Trotz teilweise gewaltiger Investitionen seit dem überraschenden Meistertitel 2009 wird der VfL den Champions-League-Ambitionen von VW einfach nicht gerecht.

Am 18. März 2011 hatte Winterkorn Magath im Alleingang zurück geholt, um den damals schon drohenden Bundesliga-Abstieg zu vermeiden. Das gelang, die groß angekündigte Rückkehr in die nationale Spitze wurde verpasst. Dabei versuchte es Magath immer wieder mit neuen Spielern.

In drei Transferperioden hat er seit 2011 26 Spieler für rund 71 Millionen Euro verpflichtet. Noch im Sommer war der Autokonzern davon überzeugt, beim VfL den nach Bayern München und Borussia Dortmund besten Bundesliga-Kader und das Zeug für die Champions League zu haben. Nach zuletzt vier Niederlagen und 0:10 Toren ist Wolfsburg dagegen zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder Bundesliga-Letzter.

Nach dem erbärmlichen 0:2 am Samstag gegen den SC Freiburg hatte sich die Lage zugespitzt. «Magath-raus» hallte es durch das Stadion, die Rufe nach Köstner wurden lauter. Dass Magath nicht schon früher von seinen Aufgaben entbunden wurde, lag wohl an einer Auslandsreise Winterkorns, zu der der mächtige VW-Chef bereits am Sonntag aufgebrochen war. Erst am Mittwoch kehrte Winterkorn nach Stationen in Sao Paulo und New York zurück und nahm umgehend Beratungen auf.

In der Zwischenzeit hatte auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß seinem Intimus und Bayern-Aufsichtsrat Winterkorn indirekt eine Trennung von Magath empfohlen. «Wenn eine Mannschaft, die so gut besetzt ist wie nie, plötzlich nicht mehr laufen will, sind die Spieler entweder vom Training kaputt oder sie spielen gegen den Trainer», hatte Hoeneß gesagt und damit offensichtlich recht behalten, auch wenn Abwehrspieler Emanuel Pogatetz dies als «Blödsinn» bezeichnete.

Am Dienstagabend traf sich die Mannschaft zur Krisensitzung ohne Trainer. Teile des Teams sprachen sich am Donnerstag beim Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz schließlich gegen den Coach aus. Magath bekam gegen Mittag dann den Laufpass und verließ kurz nach 12.30 Uhr das Vereinsgelände.