Istanbul (dpa) - Als ihr WM-Debüt nach der dritten Niederlage vorzeitig beendet war, winkte Angelique Kerber noch einmal müde ins Publikum. Dann verschwand die deutsche Nummer eins im Kabinengang des Sinan Erdem Dome - in den wohlverdienten Urlaub vom Tennis.

Am Ende fehlte der Kielerin in Istanbul beim 4:6, 3:6 gegen die Chinesin Li Na einfach die Kraft. Einen Tag nach der bitteren Drei-Stunden-Niederlage gegen die Weltranglisten-Erste Victoria Asarenka verlor die erschöpfte Kerber trotz guten Stars deutlich und verpasste damit den Einzug ins Halbfinale der mit 4,9 Millionen Dollar dotierten WTA-Veranstaltung. Li Na verwandelte nach 1:24 Stunden mit einem Ass ihren ersten Matchball. Sie kämpft nun am Freitag gegen Asarenka um den Einzug ins Halbfinale. Serena Williams hat das Weiterkommen in der roten Gruppe nach ihren beiden Auftaktsiegen bereits sicher.

Kerber konnte die Arena trotz der weiteren Niederlage erhobenen Hauptes verlassen. «Ich denke, ich habe bewiesen, dass ich zurecht hier bin», hatte sie bereits nach der unglücklichen Niederlage gegen Asarenka gesagt. «Ich nehme hier viele wertvolle Erfahrungen mit. Das wird mich auf ein höheres Level heben», meinte die Nummer fünf Welt. Doch zunächst einmal steht für Kerber nach einer strapaziösen Saison Erholung an.

Diese hat die Wimbledon-Halbfinalistin auch bitter nötig. Die Strapazen des Vortages waren ihr gegen Li Na deutlich anzumerken. An beiden Knöcheln sowie am linken Knie trug die 24-Jährige ein Tape, zudem klopfte sie sich immer wieder mit dem Schläger auf die Oberschenkel.

Nach dem 3:06 Stunden dauernden Schlagabtausch gegen Asarenka am Mittwoch hatten die Veranstalter die dritte Partie der deutschen Senkrechtstarterin unerklärlicherweise gleich zu Beginn des dritten Turniertages angesetzt. So blieb Kerber kaum Zeit zur Regeneration, die Müdigkeit steckte ihr im 82. Spiel der Saison im ganzen Körper.

Dennoch wehrte sich die Linkshänderin anfangs tapfer gegen das drohende Aus. Gleich zu Beginn nahm sie ihrer Gegnerin das Service ab, konterte auch den sofort folgenden eigenen Aufschlagverlust mit einem weiteren Break. Bis zum 4:2 lief für die Schleswig-Holsteinerin alles nach Plan, weil auch Li Na alles andere als einen fitten Eindruck machte.

Doch mit zunehmender Spieldauer glitt Kerber die Partie immer mehr aus den Händen. Mit vier Spielgewinnen in Serie sicherte sich die Chinesin nach 45 Minuten den ersten Durchgang. Kerber besiegelte den Satzverlust mit ihrem sechsten Doppelfehler - auch ein Zeichen für ihre fehlende Energie.

Die Begegnung war vor rund 6000 Zuschauern damit praktisch entschieden. Li Na gelangen im zweiten Abschnitt zwei schnelle Breaks, der Rest war für die French-Open-Siegerin Formsache, auch wenn sich Kerber bis zum Schluss tapfer wehrte. Doch ihr Akku war einfach leer, um der Partie noch einmal eine Wende zu geben.

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