Istanbul/Beirut (dpa) - In Syrien sollen von heute an die Waffen vier Tage lang schweigen. Beobachter sind allerdings skeptisch, ob die Feuerpause tatsächlich halten wird. International wurde die Ankündigung begrüßt.

Auch die syrische Armee stimmte der von den Vereinten Nationen unterstützten Waffenruhe am Donnerstag zu. Sie soll mit Beginn des islamischen Opferfestes Eid al-Adha in Kraft treten. Die Armee behielt sich aber vor, auf Verstöße gegen die Feuerpause von anderer Seite zu reagieren. Die bewaffnete Opposition hatte sich schon vorher mit dem Vorschlag des internationalen Syrien-Vermittlers Lakhdar Brahimi einverstanden erklärt, über die Feiertage die Kämpfe einzustellen.

Die oppositionelle Freie Syrische Armee sagte zu, sich an die Waffenruhe zu halten. Allerdings gelte das nur dann, wenn sich auch das Regime von Baschar al-Assad mit Militärmaßnahmen zurückhalte, sagte der Rebellen-Oberst Kasim Saad Eddine.

Vermittler Brahimi hofft, dass das vorläufige Ende der Gefechte den Beginn einer politischen Lösung markieren wird. Unterstützt wird er in seiner Initiative vom Weltsicherheitsrat. «Die Mitglieder des Sicherheitsrat rufen alle Beteiligten - besonders die syrische Regierung als die stärkere Seite - dazu auf, positiv auf die Initiative des Sondervermittlers zu reagieren», hieß es in einer am Mittwoch (Ortszeit) in New York veröffentlichten Erklärung.

Die USA äußerten sich skeptisch über die vereinbarte Waffenruhe in Syrien. Das syrische Regime habe bisher nicht bewiesen, dass es sich an Abmachungen halte, sagte Außenamtssprecherin Victoria Nuland am Donnerstag in Washington. Man sei zwar froh über jeden Tag, an dem eine Feuerpause in dem Land herrsche, da dies «den Raum dafür öffnet, weiter am (politischen) Übergang zu arbeiten». Aber im Laufe des vergangenen Jahres sei klar geworden, dass «das syrische Regime gut darin ist, Versprechen zu machen, aber weniger gut darin, sich an sie zu halten», sagte Nuland.

Die UN-Vetomacht Russland, ein enger Verbündeter des Assad-Regimes, nannte die angekündigte Waffenruhe «fundamental wichtig». Dies eröffne die Möglichkeit einer politischen Lösung, teilte der Sprecher des Außenministeriums, Alexander Lukaschewitsch, am Donnerstagabend in Moskau mit. Russland hoffe, dass die Muslime in Syrien das bevorstehende Opferfest ohne Angst um ihr Leben oder das ihrer Familie begehen könnten.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von einem kleinen «Schimmer der Hoffnung für die leidgeprüften Menschen». «Nun kommt es entscheidend darauf an, dass den Worten Taten folgen und die Waffenruhe ab Freitagmorgen auch tatsächlich eingehalten wird», heißt es in einer am Donnerstag in Berlin verbreiteten Erklärung Westerwelles.

Radikale Islamisten in Syrien halten allerdings wenig von der Initiative. Die Terrorgruppe Al-Nusra-Front hat bereits angekündigt, dass für sie eine Vereinbarung mit dem Assad-Regime nicht gelte. Die Gruppe hatte sich bereits mehrmals zu Bombenanschlägen bekannt.

Kurz vor der geplanten Waffenruhe lieferten sich Regierungstruppen und Rebellen heftige Gefechte. Aktivisten meldeten mehr als 100 Tote. Sowohl die staatliche Nachrichtenagentur Sana als auch Oppositionelle berichteten über Kämpfe im Großraum Damaskus, in Aleppo und Idlib. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.