Genf (dpa) - Die sieben Frankreich-Rundfahrten von 1999 bis 2005 gehen nach dem Verdikt gegen Lance Armstrong ohne Gesamtsieger in die Radsport-Geschichte ein. Die Titel, die Armstrong jüngst wegen Dopings aberkannt worden waren, werden nicht neu vergeben.

Das entschied der Rad-Weltverband UCI in Genf. Damit rücken auch Jan Ullrich und Andreas Klöden in den Gesamtklassements nicht nach und werden nicht im Nachhinein zu Tour-Siegern erklärt. Der 1997 erfolgreiche Ullrich war dreimal hinter Armstrong Zweiter geworden (2000, 2001, 2003), Klöden einmal (2004).

Auch die beiden deutschen Radprofis werden mit Dopingvergehen in Verbindung gebracht: Ullrich ist wegen seiner Kooperation mit dem Dopingarzt Eufemiano Fuentes noch bis 2013 gesperrt. Klödens Name tauchte in Berichten der Staatsanwaltschaften Bonn und Freiburg im Zusammenhang mit verbotenen Bluttransfusionen während der Tour 2006 auf. Beide Wahl-Schweizer bestreiten die Dopingvorwürfe.

Als Erklärung für die Entscheidung gab das sogenannte Management Committee der UCI an: «Es bleibt ein Schatten von Verdächtigungen über dieser dunklen Ära - auch wenn es für saubere Fahrer hart ist, werden sie verstehen, dass ein Nachrücken wenig ehrenvoll wäre.»

In einer Sondersitzung entschied die UCI, von den wegen Dopings verurteilten Fahrern die Preisgelder zurückzufordern. Allein bei der Tour hatte Armstrong rund drei Millionen Euro gewonnen, wie die französische Sporttageszeitung «L'Équipe» jüngst nachrechnete. An dieses Geld zu kommen, dürfte fast unmöglich sein, weil Preisgelder im Radsport traditionsgemäß von den Siegern an die ganze Mannschaft inklusive Betreuer verteilt werden. Armstrong hatte sich an diese Sitte stets gehalten.

Außerdem reagiert die UCI auf die heftigen Vorwürfe gegen den Verband im Zuge der Affäre und will nach eigenen Worten eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen. Dazu sollen in der ersten November-Woche Details bekanntgegeben werden.

Jean Regenwetter, einer der lautesten UCI-Kritiker der vergangenen Wochen, forderte eine Untersuchung durch Transparency International. Die Anti-Korruptionsorganisation hatte ähnliche Arbeit schon beim Fußball-Weltverband FIFA geleistet. «Die UCI muss die gesamte Zeit seit 1998 bis heute aufarbeiten - nicht nur die undurchsichtigen Dopingfälle», sagte der Luxemburger Verbandschef und ergänzte in Bezug auf UCI-Chef Pat McQuaid: «Es geht auch um Korruptionswürfe.»

Des weiteren sprach sich die UCI-Kommission dafür aus, eine bereits eingeleitete Klage gegen den Journalisten Paul Kimmage zurückzuziehen. Der Ex-Profi hatte McQuaid und dessen Vorgängen Hein Verbruggen vorgeworfen, Armstrong gedeckt zu haben.