Köln (SID) - Patrik Kühnen ist ab 2013 nicht mehr Teamchef des Deutschen Tennis Bundes (DTB). "In den vergangenen Wochen habe ich den Eindruck gewonnen, dass mir die nötige Unterstützung und Rückendeckung des Deutschen Tennis Bundes fehlt. Ich sehe deshalb keine Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit und beende an dieser Stelle die Gespräche über die Fortsetzung meiner Tätigkeit mit dem DTB", teilte der 46-Jährige am Mittwoch mit.

Der zuletzt heftig umstrittene Kühnen kam mit seinem Rücktritt möglicherweise einer Entscheidung des DTB zuvor, den Ende 2012 auslaufenden Vertrag mit ihm nicht mehr zu verlängern. "Sein Schritt kommt nicht überraschend, da sich in vielen Gesprächen mit Patrik Kühnen und den Spielern abgezeichnet hat, dass ein Neuanfang die beste Lösung für das deutsche Herrentennis ist", hieß es in einer Stellungnamhe des DTB-Präsidenten Karl Altenburg.

Der DTB wird nun auf Basis eines klaren Anforderungsprofils Gespräche mit geeigneten Kandidaten führen. Eine besondere Rolle wird dabei auch die Erweiterung des Tätigkeitsbereichs auf den Nachwuchs spielen. "Wir werden jetzt schnellstmöglich die Gespräche aufnehmen und rechnen mit einer Entscheidung noch vor Weihnachten", so Altenburg. Gehandelt werden unter anderem die ehemaligen Davis-Cup-Spieler Rainer Schüttler, Alexander Waske und Michael Kohlmann sowie der frühere Profi Carsten Arriens.

Michael Stich hat kein Interesse, erneut Davis-Cup-Kapitän zu werden. Der 44-Jährige hatte das Team vor Kühnen ein Jahr lang geführt. "Ich habe nicht die Zeit dafür", sagte der Wimbledonsieger von 1991 der Bild-Zeitung und bedauerte Kühnens Rücktritt: "Patrik hat 10 Jahre seine Zeit und Energie zur Verfügung gestellt und das Optimale daraus gemacht. Die Spieler sollten sich fragen, ob sie immer das Beste im Daviscup geleistet haben."

Vor allem das Votum der Spieler, an der Spitze Deutschlands Nummer eins Philipp Kohlschreiber, hatte den DTB in eine Zwickmühle gedrängt. Bei einem internen Treffen in Paris wollte sich in der vergangenen Woche kein Profi eindeutig pro Kühnen äußern. Kohlschreiber hatte gar seine Teilnahme am Davis-Cup-Auftakt 2013 in Argentinien vom Abschied Kühnens abhängig gemacht.

"Ich kann die Entscheidung von Patrik nachvollziehen und verstehen", sagte Kohlschreiber am Mittwoch auf SID-Anfrage: "Jetzt hoffe ich, dass schnell ein Nachfolger gefunden wird und wir mit dem bestmöglichen Team im Februar nach Argentinien reisen können."

Der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker schrieb bei Twitter: "Schade, dass Patrik Kühnen nicht mehr Davis-Cup-Teamchef ist." Und weiter: "Patrik hat zehn Jahre tolle Arbeit in sehr schwierigen Umständen geleistet."