Washington (dpa) - Mit aller Kraft haben nach dem Jahrhundertsturm «Sandy» an der US-Ostküste die Aufräumarbeiten begonnen. Im US-Wahlkampf ist die kurze Pause der Kandidaten vorbei. Die New Yorker bemühen sich um eine Rückkehr zum Alltag.

Die Zahl der Toten stieg nach Medienberichten auf bis zu 50. Die Sachschäden dürften nach Schätzungen von Wirtschaftsfachleuten bis zu 20 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro) betragen.

In höher gelegenen Stadtteilen der Millionenmetropole kehrte fast wieder Normalität ein. Busse fuhren, Geschäfte öffneten. Zuvor war der öffentliche Verkehr zusammengebrochen, U-Bahnschächte liefen voll Salzwasser. Ein Problem bleiben die Stromausfälle. Das «Wall Street Journal» berichtete zudem von Plünderungen.

US-Präsident Barack Obama wird am Nachmittag im schwerbeschädigten Küstenort Atlantic City erwartet. Zusammen mit Gouverneur Chris Christie will Obama sich im Bundesstaat New Jersey ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung machen. Christie sprach am Dienstagabend (Ortszeit) von einer «Verwüstung, wie ich sie noch nie gesehen habe».

Bereits heute wollte auch der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney den kurzen, vom Sturm bedingten «Waffenstillstand» beenden und in Florida Wahlkampfveranstaltungen abhalten. Florida gilt als einer der wichtigsten sogenannten Swing-States, in denen das Ergebnis noch offen ist. Gewählt wird am 6. November.

Die Zahl der Toten steigt nach Medienberichten weiter. Allein in der Stadt New York seien inzwischen 22 Opfer registriert, berichtete die «New York Times». Insgesamt gebe es in den Sturmregionen bis zu 50 Tote, heißt es in anderen Quellen. Der TV-Sender CNN sprach weiter von 33 Toten an der Ostküste.

Bei einem Treffen mit Chefs von Energiefirmen habe Obama betont, dass die Wiederherstellung der Stromversorgung oberste Priorität habe, teilte das Weiße Haus am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Nach CNN-Angaben sind gut 24 Stunden nach dem Durchzug von «Sandy» an der Ostküste weiter sieben Millionen Menschen ohne Strom.

In New York verbrachten Hunderttausende Menschen die zweite Nacht ohne Elektrizität, viele auch ohne Wasser, Internet und Telefon. Mehrere tausend Menschen sind weiter in den 76 Notunterkünften der Stadt untergebracht. «Wir arbeiten zur Zeit 15 Stunden am Tag und das jeden Tag», sagte ein Polizist aus dem Stadtteil Brooklyn.

Im Laufe des Mittwochs sollten in der Stadt wieder erste Fähren unterwegs sein. Die Verbindungen nach New Jersey würden teilweise wieder aufgenommen, teilte die zuständige Behörde mit. Wann auch die Fähren über den East River wieder in Betrieb gehen können, die die Insel Manhattan zum Beispiel mit dem Stadtteil Brooklyn verbinden, sagte die Behörde nicht.

Auch die New Yorker Börse wird am Mittwoch wieder geöffnet. Die Flughäfen John-F.-Kennedy und Newark sollten ebenfalls wieder arbeiten, La Guardia bleibt vorerst geschlossen. Bahnbetreiber Amtrak kündigte an, den Fernzugbetrieb wieder aufzunehmen, wenn auch mit großen Einschränkungen. Schulen in New York sollten dagegen auch am Mittwoch geschlossen sein.

Die Veranstalter des New-York-Marathons gaben sich nach dem Wirbelsturm zuversichtlich, den Lauf - einen der berühmtesten Laufwettkämpfe der Welt - wie geplant am Sonntag starten zu können. Man setze die Vorbereitungen fort, teilte Renndirektorin Mary Wittenberg mit. Erwartet werden 47 000 Sportler aus aller Welt.

Andere Regionen in Nordamerika müssen «Sandy» noch überstehen: In den Höhenlagen der Appalachen in West Virginia brachte der Wirbelsturm bis zu einen Meter Schnee. Nach Berechnungen der Meteorologen soll der Wirbelsturm an diesem Mittwoch auch Kanada erneut bedrohen. Allerdings lasse die Stärke deutlich nach. Mit Hurrikan-Stärke hatte «Sandy» zuvor in der Karibik gewütet. Auch dort gab es Dutzende Tote.

US Hurricane Center

«Sandy»-Grafik in Echtzeit

Mitteilung der Wasserverkehrsbetriebe