Washington/New York (dpa) - Nach dem Durchzug von Jahrhundertsturm «Sandy» mit mindestens 50 Toten in den USA hat sich Präsident Barack Obama einen ersten Eindruck von den Schäden verschafft. Obama landete am Mittwochnachmittag (Ortszeit) mit dem Präsidentenflugzeug «Air Force One» in Atlantic City.

Die Stadt in New Jersey ist besonders schwer von dem Unwetter getroffen. In den Katastrophengebieten an der US-Ostküste und in New York laufen die Aufräumarbeiten unterdessen auf Hochtouren. In einigen Regionen wieder Normalität ein - allerdings nur schleppend und vor allem außerhalb der Flutgebiete.

Der Sturm hat offiziellen Angaben zufolge allein in den USA 50 Menschen das Leben gekostet. Etwa die Hälfte der US-Toten sei im Staat New York zu beklagen. In der Stadt New York selbst sollen es nach Angaben von Bürgermeister Michael Bloomberg 18 sein. Die Schäden gehen in die Milliarden.

US-Präsident Obama betrachtete gemeinsam mit dem republikanischen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, die Überschwemmungsgebiete zunächst aus der Luft und dann mit einem Fahrzeug auch auf dem Land. Christie hatte seinen in einer khakifarbenen Hose und blauen Regenjacke gekleideten politischen Gegner Obama per Handschlag begrüßt.

In New York fahren wieder Busse und zwei der drei Flughäfen sind seit Mittwoch wieder geöffnet - doch Südmanhattan und einige Gebiete von Brooklyn und Queens sind von Normalität weit entfernt. Die so wichtige U-Bahn in New York sollte am Donnerstag wieder fahren - zumindest ein paar Züge. «Es wird einen begrenzten Dienst geben mit einem Busersatzverkehr zwischen Manhattan und Brooklyn», sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.

Weil die Tunnel unter dem East River noch voll Wasser sind, müssen die Fahrgäste auf dem Weg in den anderen Stadtteil auf die Busse umsteigen. «Allerdings wird es keinen Verkehr südlich der 34. Straße geben, weil da schlicht kein Strom ist», sagte Cuomo. Das ist das gesamte südliche, und vielleicht wichtigste, Drittel von Manhattan.

Die ersten Vorortzüge fahren bereits wieder und auch der Busverkehr laufe wieder planmäßig, wenn auch nach dem dünneren Samstagsfahrplan. Auch die internationalen Flughäfen John F. Kennedy und Newark sind wieder geöffnet, die Zahl der Starts und Landungen reichte aber nicht annähernd an den Standard mit 130 000 Passagieren am Tag heran. Zwischen New York und New Jersey fahren wieder einige Fähren, für die auch bei Touristen beliebte Staten Island Ferry gibt es aber keinen Starttermin. Und auch im Straßenverkehr gab es noch Probleme: Viele Ampeln sind kaputt oder haben keinen Strom.

Wirtschaftsexperten schätzen den Sachschäden auf 10 bis 20 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro). Damit würde sich «Sandy» in die zehn teuersten Stürme der USA einreihen. Hinzu kommt der tagelange Stillstand in vielen Firmen. Trotzdem gehen Ökonomen nur von einer geringen Belastung für die Gesamtwirtschaft aus.

Während Präsident Obama die vom Sturm geschädigten Gebiete in New Jersey besuchte, beendete der republikanische Präsidentschaftskandidat Romney den kurzen, vom Sturm bedingten «Waffenstillstand» und ging in Florida auf Wahlkampf-Tour. Florida gilt als einer der wichtigsten sogenannten Swing-States, in denen das Ergebnis noch offen ist. Gewählt wird am 6. November. Experten streiten aber, ob der Sturm tatsächlich Einfluss auf die Wahl haben kann.

In New York verbrachten Hunderttausende die zweite Nacht ohne Elektrizität. Viele waren auch ohne Wasser, Internet und Telefon. Mehrere tausend Menschen mussten weiter in den 76 Notunterkünften der Stadt schlafen.

Die große Halloween-Parade, zu der am Mittwochabend im Viertel Greenwich Village 40 000 Menschen erwartet worden waren, wurde zum ersten Mal in ihrer fast 40-jährigen Geschichte gestrichen. Auch Obama sagte das Halloween-Fest für Kinder im Weißen Haus ab. Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, verschob das Fest für seinen Bundesstaat auf Montag. Die Veranstalter des New-York-Marathons gaben sich dagegen zuversichtlich, den Lauf wie geplant am Sonntag starten zu können. Erwartet werden 47 000 Sportler aus aller Welt.

Auf die New Yorker könnte noch ein ganz anderes Problem zukommen: Experten fürchten, dass die unzähligen Ratten aus dem New Yorker Untergrund vom Wasser an die Oberfläche gedrängt werden könnten. Immerhin: Berichte von Haien auf den überfluteten Straßen New Yorks sind nur Internetlegenden.

US Hurricane Center

«Sandy»-Grafik in Echtzeit

Mitteilung der Wasserverkehrsbetriebe

Webcam der «New York Times»