Herzogenaurach (SID) - Mehr als sieben Monate nach ihrem Rücktritt vom Biathlon ist Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner noch immer nicht zur Ruhe gekommen, bereut ihren Abschied vom Leistungssport jedoch zu keiner Sekunde. "Der neue Alltag lebt sich sehr gut. Aber es lebt sich ganz anders, wenn man einen großen Teil seines Lebens zurücklässt", sagte die Doppel-Olympiasiegerin von Vancouver: "Mir macht das neue Leben viel Spaß, und es ist toll, alles ohne Druck selbst entscheiden zu können."

Mit dem Sieg im Gesamtweltcup und vier Medaillen bei der Heim-WM in Ruhpolding hatte sich die 25-Jährige im März auf dem Höhepunkt ihrer kurzen Karriere aus dem Weltcup-Zirkus verabschiedet. "Ich bereue diese Entscheidung an keinem einzigen Tag", sagte Neuner: "Mit dem Ruhestand ist es allerdings nichts, jeder Tag ist anders."

Für insgesamt zwölf Sponsoren sei sie momentan unterwegs und würde bei verschiedensten Terminen auftreten. Die Furcht, dass ihr die Geldgeber nach dem Abschied von Schießstand und Loipe den Rücken zukehren, sei unbegründet gewesen. "Die Nachfrage ist enorm", betonte die Werbe-Millionärin aus Wallgau.

Neuner engagiert sich ehrenamtlich außerdem unter anderem bei einer Krebsstiftung und absolviert regelmäßig Fernsehtermine. "Wie lange ich noch so viele Termine mache, ist nicht absehbar. Ich schaue nicht zu weit in die Zukunft, ich plane nicht weit voraus", betonte die zwölfmalige Weltmeisterin, die es aktuell auch einfach nur genießt "sich für einen Abend hübsch zu machen und ein schönes Kleid zu tragen".

Am Rande der offiziellen DSV-Einkleidung in Herzogenaurach wurde Deutschlands Sportlerin des Jahres vom Verband am Mittwoch mit dem Goldenen Ski für ihre Verdienste ausgezeichnet. "Ich mache immer noch viel Sport", sagte Neuner: "Wenn auch nicht mehr in den gleichen Umfängen wie vor einem Jahr."

Mindestens einmal wird sie sich bei ihrem Abschiedsrennen am 29. Dezember in der Schalker Fußball-Arena das Gewehr noch einmal auf den Rücken schnallen. Bis dahin werde sie weiterhin die Termine absolvieren, die ihr Spaß machen - nicht aber für Fußball-Rekordmeister Bayern München arbeiten. "Das Thema hängt mir schon zum Hals raus. Das Angebot hat es so nie gegeben. Uli Hoeneß hat mir bei Problemen nur seine Hilfe angeboten, mehr nicht", sagte Neuner. Angesichts des vollen Terminkalenders scheint sie die aber nicht zu brauchen.