Berlin (dpa) - Vorbei die Obamania, es lebe Barack Obama: Der amtierende US-Präsident hat zwar die Aura verloren, die ihn noch kurz vor der Präsidentenwahl 2008 unter anderem bei seiner Rede vor der Siegessäule in Berlin umgab.

Doch auch ohne diese Magie wird auf den drei großen US-Wahlpartys in Berlin deutlich: Deutschland würde Obama wählen.

Auf den drei Partys in Berlin-Mitte im Bertelsmann-Gebäude, in der Repräsentanz der Deutschen Telekom und im E-Werk ist der Button mit dem Konterfei Obamas das liebste Accessoire. Zahlreiche der geladenen Gäste tragen ihn stolz an der Abendgarderobe. Die Hostess, die bei Bertelsmann die Gäste empfängt, berichtet, dass sie den Korb mit den Obama-Ansteckern bereits mehrfach nachfüllen musste. Und das Pendant von Mitt Romney? «Einige nehmen beide Buttons mit, um sich diplomatisch zu zeigen.» Bislang habe sie nur eine Frau gesehen, die sich wirklich für den Herausforderer ausgesprochen hat. «Die sagte, sie sei immer für die Minderheiten.»

Bei Bertelsmann wollten die organisierenden Fernsehsender RTL, n-tv und CNN eine möglichst amerikanische Feier ausrichten. Mit viel Kitsch. Klischees müssten einfach aufgegriffen werden, sagt der n-tv-Sprecher Thomas Hellwege. Die knapp 700 Gäste erfreuen sich an Hotdogs, Donuts und rot-blau-weißen Luftballons. Das Gebäude ist in den US-Farben erleuchtet.

Keine 500 Meter entfernt laden ZDF und der Tagesspiegel-Verlag zum Live-Talk mit Markus Lanz. Karin Bortfeldt ist unter den rund 1000 Gästen und mit ihrem Mann ins ehemalige Telegraphenamt gekommen. Sie sagt: «Ich würde Obama wählen, weil er ehrliche Politik betreibt. Er will wirklich etwas verändern.» Dafür gebe sie ihm vier weitere Jahre. Ihr Mann ergänzt, dass Romney die falsche Wahl wäre: «Er will den Staat lenken wie ein Business.»

Ähnliche Stimmen auf der ARD-Feier. «Ich traue Romney nicht», sagt die 21 Jahre alte Lisa Stelley. «Er hat sich sehr, sehr viel gedreht.» 2008, in der Hochzeit der Obamania, hatte sie ein Austauschjahr in den USA gemacht. Seitdem sei der Hype verschwunden, sagt sie. «Das zu steigern, war auch nicht zu schaffen.»

Auf der Wahlparty der «Democrats Abroad» im Babylon-Kino nahe des Alexanderplatzes, wo 2008 noch hunderte Gäste an der Tür aus Platzmangel abgewiesen werden mussten, kann man heute entspannt durch das alte Kino gehen. Kelly Donahue war auch bei der vergangenen US-Wahl da. Nun sagt sie: «Es ist nicht annähernd so speziell wie damals. Die Menschen sind nicht mehr verrückt nach ihm.» Donahue will bis zum Wahlende auf der Party durchhalten. Das dürfte eine lange Nacht werden: Erst am frühen Morgen gegen 5 Uhr (MEZ) wird vermutlich ein neuer Präsident feststehen - oder ein alter.

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