Aurich (dpa) - Die Elfjährige starb in einem Parkhaus in Emden, nachdem sie vergewaltigt worden war: Der Mord an Lena löste kurz vor Ostern in ganz Deutschland Entsetzen aus.

Nach mehreren Fahndungspannen ermittelte die Polizei als Täter einen 19-Jährigen, der gestand, das Mädchen getötet zu haben. An diesem Mittwoch soll nun im Landgericht Aurich das Urteil gesprochen werden. Auch Lenas Eltern werden dazu erwartet.

Der Fall hatte auch wegen der vorübergehenden Festnahme eines Unschuldigen, wegen Lynchaufrufen im Internet und Ermittlungsfehlern der Polizei - die ihr Emder Hauptquartier gleich neben dem Tatort hat - für Aufsehen gesorgt. Daneben stieß er eine breite Debatte über den Umgang mit falschen Verdächtigungen in Sozialen Netzwerke an.

Das Landgericht im ostfriesischen Aurich verhandelt seit Ende August unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter strengen Sicherheitsmaßnahmen gegen den 19-Jährigen. Bisher wurden zum Schutz des Opfers, der Angehörigen und des Angeklagten keine Details aus dem Verfahren vor der Jugendkammer bekannt.

Im Prozessverlauf wurde der Angeklagte aus der Untersuchungshaft in eine psychiatrische Einrichtung verlegt. Ein Gutachter muss beurteilen, ob der 19-Jährige schuldfähig ist und ob er nach dem Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird. Falls ihn das Gericht nicht für schuldfähig hält, könnte er langfristig in der Psychiatrie bleiben.

Schon Monate vor dem Mord an Lena hatte der Tatverdächtige sich wegen des Besitzes von kinderpornografischen Fotos selbst bei der Polizei angezeigt. Zu weiteren Ermittlungen kam es jedoch nicht, auch eine Hausdurchsuchung wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie blieb unbearbeitet liegen. Deswegen laufen gegen acht Polizeibeamte Disziplinarverfahren.

Der 19-Jährige soll außerdem Monate vor dem Tod von Lena versucht haben, eine Joggerin zu vergewaltigen. Neben Lenas Mutter sind ihr jüngerer Bruder und die Joggerin als Nebenkläger vertreten.