Frankfurt/Oder (SID) - Zweiter Akt im Possenstück um die Aufarbeitung der deutschen Doping-Geschichte: Am Donnerstag berichtet die abtrünnige Berliner Forschergruppe in Frankfurt/Oder über die Ergebnisse ihrer Mitarbeit an der Studie "Doping in Deutschland".

Die Berliner Wissenschaftler um Giselher Spitzer hatten ihre Tätigkeit an dem Projekt im März 2012 wegen fehlender Absprachen über die Weiterfinanzierung beendet und waren der Präsentation der Arbeiten für die 90er und 00er Jahre am Dienstag in Berlin ferngeblieben. Stattdessen stellen sie ihre Ergebnisse im Rahmen des Symposiums "Probleme gesamtdeutscher Aufarbeitung am Beispiel der Aufarbeitung von Doping in Westdeutschland" am Donnerstag in der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder vor.

"Dass diese Gruppe am Dienstag nicht eingeladen wurde, war keine Respektlosigkeit. Der Projektnehmer ist die Universität, und diese Forscher dürfen nicht mehr für die Uni sprechen", erklärte Direktor Jürgen Fischer vom auftraggebenden Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) das Prozedere. Das BISp ist dem Bundesinnenministerium (BMI) angeschlossen, das wiederum 500.000 Euro Steuergelder für die Studie zur Verfügung gestellt hatte.

"Ich habe mich sehr über diese zweite Veranstaltung gewundert", sagte Generaldirektor Michael Vesper vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Der DOSB war Ideengeber der Studie, weist aber jeglichen Einfluss am Ausscheiden der Berliner Gruppe von sich. Spitzer und sein Team hatten bei der Präsentation im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, als sie Westdeutschland für die Jahre 1970 bis 1990 ein "systematisches Doping" attestierten und Ex-NOK-Chef Willi Daume sogar "billigende Mitwisserschaft" vorwarfen.

Offen ist, welche Ergebnisse das Team um Spitzer noch liefern wird. Der DOSB meint, dass die Spitzer-Gruppe durch ihre Attacken von ihren eigenen Versäumnissen ablenken würde. Sie habe nicht verlässlich genug gearbeitet. "Wer uns unterstellt, wir sind froh darüber, dass die Berliner Forscher ihre Arbeit nicht beendet haben, ist schief gewickelt", sagte Vesper.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte von Spitzer und Co. sein Fett abbekommen. Die Wissenschaftler behaupteten, dass drei Nationalspieler bei der WM 1966 das verbotene Mittel Ephedrin eingenommen hätten und damit gedopt gewesen seien. Der DFB ließ daraufhin durch Professor Dr. Martin Nolte eine sportrechtliche Prüfung durchführen, die zu dem Ergebnis kam, dass kein Spieler gegen die Anti-Doping-Richtlinien verstoßen habe.