Washington (dpa) - Bei der US-Präsidentenwahl deutet sich das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen an. Nachdem in etwa der Hälfte der Bundesstaaten die Wahllokale geschlossen sind, ist noch keine klare Tendenz für Amtsinhaber Barack Obama (51) oder Herausforderer Mitt Romney (65) erkennbar.

Besonders in den umkämpften Swing States wie Florida, North Carolina oder Virginia zeigen Hochrechnungen der TV-Sender nahezu ausgeglichene Zwischenergebnisse. Dort wird weiter ausgezählt. Meinungsforscher hatten ein äußerst knappes Ergebnis prognostiziert.

Bei Bekanntgabe der Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe und Hochrechnungen gab es zu Beginn des Wahlabends keine Überraschungen. Vor allem die demokratisch geprägten Landesteile an der Ostküste gingen an den Demokraten Obama. Der Republikaner Romney gewann vor allem im Mittelwesten. In den wahlentscheidenden Staaten dagegen konnte keiner der Kontrahenten zunächst auf einen Vorsprung bauen. Es kann es noch Stunden dauern, bis verlässliche Resultate vorliegen.

Beide Lager errangen aber symbolische Erfolge. Obama etwa gewann Massachusetts, den Heimatstaat seines Herausforderers. Romney war von 2003 bis 2007 Gouverneur des Neuenglandstaates, der bei Präsidentenwahlen seit fast einem Jahrhundert aber fast immer die Demokraten wählt. Romney dagegen eroberte Indiana für seine Partei zurück. 2008 hatte Obama hier knapp gewonnen, traditionell wählt der Staat aber republikanisch.

Zugleich verteidigte Obama seinen Heimatstaat Illinois. Der Präsident wurde zwar auf Hawaii geboren, Chicago ist aber seit Jahrzehnten seine politische Heimat. Auch Illinois wählt seit 20 Jahren demokratisch.

Beide Kandidaten bereiteten sich auf eine lange Wahlnacht vor. Entscheidend ist, wie sie in den gut zehn Swing States mit ihren Wechselwählern abschneiden. Dazu gehören auch Ohio, New Hampshire und Michigan. Kritisch ist es diesmal für Obama auch in Pennsylvania geworden, das in den letzten zwei Jahrzehnten regelmäßig an Demokraten gegangen war. Die meisten Umfragen hatten Obama in den «Wechsel-Staaten» ganz leicht im Vorteil gesehen.

Auch in Florida liegen Obama und Romney praktisch gleichauf. Florida ist mit 29 Wahlmännerstimmen der größte Swing State 2000 war der Republikaner George W. Bush erst mit wochenlanger Verspätung zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt worden, weil Nachzählungen in Florida das Endergebnis verzögerten.

Auch diesmal sind Verzögerungen nicht ausgeschlossen. Bei knappen Ergebnisse drohen auch Nachzählungen und juristische Klagen. Dies könnte das Ergebnis im schlimmsten Fall um Tage oder Wochen verzögern.

Der lange und erbitterte Wahlkampf wurde durch das schwache Wirtschaftswachstum und die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit in den USA geprägt. Romney warf dem Präsidenten immer wieder vor, keine wirklichen Rezepte für den Ausweg aus der Krise zu haben.

Wie selten zuvor überzogen sich die Kontrahenten gegenseitig mit Beschuldigungen und verunglimpfender Wahlwerbung. Die Demokraten stellten den Herausforderer Romney als unbarmherzigen Multimillionär dar, der mit seinen Steuerplänen die Kluft zwischen Reich und Arm weiter vergrößern wolle. Romney rief seinen Anhängern im Wahlkampf zu, dass nur er als erfolgreicher Geschäftsmann die größte Volkswirtschaft der Erde wieder in Fahrt bringen könne.

Obama hatte nach der Begeisterung bei seiner Wahl 2008 diesmal Mühe, die eigene Basis zu mobilisieren, weil viele seiner Versprechen unerfüllt blieben. Er verwies aber darauf, dass er die Wirtschaft vor dem völligen Absturz bewahrt und die verpflichtende Krankenversicherung für alle eingeführt habe. «Der Terrorchef Osama bin Laden ist tot und der Autohersteller General Motors lebt», verkündete Obamas Vize Joe Biden.

Wahlberechtigt sind nach Angaben der Webseite statisticbrain.com 206 Millionen US-Bürger, 146 Millionen hatten sich als Wähler registrieren lassen. Bei der Wahl 2008 hätten 131 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben.

Obama bei Twitter

Bericht New York Times

Ohio-Ergebnisse bei National Polls

Florida-Ergebnisse bei National Polls

Video Obama Rede

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