Amsterdam (dpa) - Wenn Joachim Löw seinen Kader im schicken City-Hotel an der Stadthouderskade von Amsterdam versammelt, bleibt ihm nur wenig Zeit. Im Schnellverfahren muss der Bundestrainer die Nationalmannschaft auf die 40. Auflage des Länderspiel-Klassikers gegen die Niederlande vorbereiten.

Deshalb blendet er die schwierigen Themen der vergangenen Monate so gut wie irgend möglich aus. «Der Fokus liegt komplett auf Holland», schwor Löw sein Team auf die letzte Partie des EM-Jahres am Mittwoch ein. Nur am Rande sollen die krassen Fehler beim irren 4:4 gegen Schweden im Oktober noch einmal besprochen werden.

«Es wäre ein pädagogisch falscher Ansatz, zwei Stunden über das Schweden-Spiel zu sprechen», mahnte Löw, dem zwischen Treffpunkt am Montagmittag und dem Anpfiff in der Amsterdam ArenA gerade 55 Stunden mit seinen noch 21 eingeladenen Spielern bleiben. Der Münchner Jérome Boateng fällt nach einem Muskelfaserriss im Oberschenkel aus.

Der Bundestrainer will lieber in den nur zwei Trainingseinheiten die Voraussetzungen für einen gelungenen Jahresabschluss legen. Der dritte Sieg in Serie gegen Oranje würde die Diskussionen über Strategie und Personal der DFB-Elf einstweilen verstummen lassen und auch Löw die Grundlage für einen ruhigen Jahreswechsel verschaffen. «Wir wollen uns mit einer guten Leistung von unseren Fans verabschieden», erklärte der Bundestrainer.

Doch das wird schwer genug, wie auch Löw weiß. «Wir müssen davon ausgehen, dass wir auf einen hochmotivierten Gegner treffen», sagte der 52-Jährige voraus. Im Nachbarland sind die jüngsten Niederlagen gegen Deutschland beim 0:3 in Hamburg und dem 1:2 bei der EM noch nicht verdaut. «Wir haben super Fans. Es wird viel orange sein im Stadion», kündigte Bayern Münchens Holländer Arjen Robben an. Einen Vorgeschmack deutsch-holländischer Rivalität lieferten sich am Bundesliga-Wochenende schon einmal Schalkes Benedikt Höwedes und Bremens Eljero Elia mit ihrer Kabbelei auf dem Platz.

Ungeachtet der Kritik aus der Bundesliga an Termin und Gegner des letzten Länderspiels will Löw seine bestmögliche Auswahl aufbieten. Der Ausfall von Boateng warf die Planungen noch nicht über den Haufen. Für den Verteidiger nominierte Löw am Sonntag keinen Spieler nach. Er reist nun mit 21 Akteuren ins Nachbarland, darunter auch Torwart-Rückkehrer René Adler und Neuling Roman Neustädter.

Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit eines emotional brisanten, sportlich aber bedeutungslosen Testspiels mitten in der heißen Europacup-Phase ist auch an den Spielern nicht vorbei gegangen. Bayern-Profi Thomas Müller bemerkte am Wochenende ironisch: «Ein klasse Termin, auf den wir uns alle freuen. Da werden wir mit voller Leidenschaft unser Land vertreten und werden das tun, wofür wir geboren wurden - für Deutschland Fußball zu spielen.»

Löw sieht keinen Grund, den Vergleich nutzlos verstreichen zu lassen. «Wir haben vor zwei Jahren beschlossen, für Testspiele möglichst starke Gegner zu bekommen. Wir wollen uns mit den Besten messen», erläuterte er. Erstaunlich defensiv äußern sich die Niederländer: «Wir sind noch in der Entwicklung. Vor allem unsere neuen Spieler können sich mal messen mit einigen der besten Spieler der Welt. Ich finde, im Moment ist Deutschland viel weiter als wir», sagte Robben.

Das DFB-Aufgebot für das Länderspiel:

Tor: Manuel Neuer (Bayern München), René Adler (Hamburger SV)

Abwehr: Benedikt Höwedes (FC Schalke 04), Mats Hummels (Borussia Dortmund), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (FC Arsenal), Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund), Heiko Westermann (Hamburger SV),

Mittelfeld: Lars Bender (Bayer Leverkusen), Julian Draxler (FC Schalke 04), Mario Götze (Borussia Dortmund), Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund), Toni Kroos (Bayern München), Thomas Müller (Bayern München), Roman Neustädter (FC Schalke 04), Mesut Özil (Real Madrid), Lukas Podolski (FC Arsenal), Marco Reus (Borussia Dortmund), André Schürrle (Bayer Leverkusen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München)

Angriff: Miroslav Klose (Lazio Rom)