Frankfurt/Main (dpa) - Was für ein Zirkus: Die MTV Europe Music Awards verwandeln die Frankfurter Festhalle in eine riesige Manege. Moderatorin Heidi Klum schwebt in einem Ring meterhoch über dem Saal, Hauptgewinnerin Taylor Swift tritt als sexy Dompteuse auf und überall knallt, zischt und blitzt es.

Die Show, am Sonntagabend in fast 700 Millionen Haushalte in der ganzen Welt übertragen, war ganz auf Zirkus getrimmt. Gleich zu Beginn ließen die Regisseure es krachen: Feuerschlucker drehten brennende Keulen, Akrobaten seilten sich von der Decke ab, zwischen den Nominierten saßen Pierrots und Vogelmenschen, Stelzenmänner drehten auf Riesenrädern ihre Runden.

Heidi Klum machte in ihren wechselnden Zirkus-Outfits optisch eine gute Figur, wenn sie auch zuweilen etwas viel nackte Haut zeigte. Akustisch war sie weniger beeindruckend: ihre quietschige Stimme drang kaum zu den 8000 Fans in der Halle durch. Sechsmal wechselte sie ihre Versace-Kleider. Damit Zuschauer in aller Welt auch wissen, dass das Ganze - trotz nahezu ausnahmslos nordamerikanischer Musiker - aus Deutschland kommt, gab es zwischendurch ein Alphorn und ein paar Takte Jodeln; und Heidi im feschen Dirndl-Look.

Die Preise waren eher Nebensache an diesem Abend. Im Mittelpunkt standen die Auftritte von Bands wie No Doubt oder Fun., von Sängerinnen wie Carly Rae Jepsen oder Alicia Keys, von Sängern wie Pitbull oder Psy. Der Südkoreaner war der Sieger der Herzen bei dieser perfekt durchgestylten Show. Er bekam den Award für das beste Video zu seinem Song «Gangnam Style»; der Clip wurde in diesem Herbst weltweit hunderte Millionen Mal im Internet angeklickt. Dass Lied und Tanz eigentlich eine Parodie sind, hielt den Erfolg nicht auf - und passte erstaunlich gut zum Zirkus-Thema.

«Ich habe meine internationale Unschuld an die EMAs verloren», scherzte der Geehrte: Noch nie sei er für einen internationalen Preis nominiert gewesen, noch nie vor einem weltweiten Publikum aufgetreten. Nun tanzte er - begleitet von zig Doppelgängern - und überragt von einer raumhohen Comic-Version, und nahm von Schauspieler David Hasselhoff den Preis entgegen. Der 60-Jährige, so zeigte eine Videoeinspielung, macht den «Gangnam» sogar auf dem Klo, und Heidi deutete ebenfalls die kuriosen Verrenkungen an - auch wieder irgendwie clownesk.

Feierlich wurde es in all dem Trubel nur beim «Global Icon», einer Sonder-Auszeichnung, die posthum Whitney Houston zuerkannt wurde. «Du hast Maßstäbe gesetzt für Generationen», sagte Kollegin Alicia Keys unter dem Applaus des Publikums, das gerührt auf Einspielungen aus dem Leben der im Februar Verstorbenen blickte.

Die Videoleinwände in den Ecken spielten überhaupt eine große Rolle. Denn die meisten der nominierten Stars waren gar nicht erst nach Frankfurt gekommen. Justin Bieber, der dreifach ausgezeichnet wurde, fläzte sich auf einem Sofa und sprach eine vorher aufgezeichnete Videobotschaft. «Best Electronic», «Best Hip-Hop», «Best New» - all das wurde so schnell runtergenudelt, dass das Publikum gar nicht recht mitbekam, wer gewonnen hatte.

Hauptgewinnerin des Abends war Taylor Swift. Bei den Country Music Awards in den USA Anfang des Monats war sie noch leer ausgegangen, aber bei den MTV Europe Music Awards gewann sie fast alle Kategorien, in denen sie nominiert war. «Best Female», «Best Live» und «Best Look» gingen an sie. «Drei?», rief sie begeistert auf Deutsch nachdem sie das dritte Mal auf die Bühne gerufen worden war.

Auch die Kanadierin Carly Rae Jepsen hatte den Weg nach Frankfurt gefunden und wurde dafür mit zwei Auszeichnungen belohnt, darunter für den besten Song («Call Me Maybe»). Ihr Auftritt gehörte zu den besten des Abends. Ihre US-Kollegin Taylor Swift durfte erst ganz am Ende singen - als sexy Dompteuse mit Peitsche, begleitet von Zirkusgestalten und viel Pyrotechnik.

MTV EMA