Madrid/Brüssel (dpa) - Bei europaweiten Protesten gegen die Sparpolitik ist es in Italien und Spanien zu schweren Krawallen gekommen. In Rom sprachen Reporter am Mittwoch von Guerilla-ähnlichen Szenen.

Allein in Spanien wurden mehr als 40 Menschen verletzt, darunter 18 Polizisten; etwa 110 Streikende wurden nach Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften festgenommen.

Millionen Beschäftigte legten in mehreren Euro-Krisenländern die Arbeit nieder. In Spanien und Portugal brachten 24-stündige Generalstreiks ganze Wirtschaftsbereiche zum Erliegen. Von den Aktionen waren auch der internationale Flug- und Bahnverkehr betroffen. Ein Verkehrschaos blieb jedoch weitgehend aus.

In Rom warfen Schüler und Studenten Steine, Flaschen und Sprengsätze auf die Polizei, die Sicherheitskräfte rückten mit gepanzerten Fahrzeugen vor. In Turin wurden drei Polizisten bei Krawallen verletzt, einer von ihnen schwer. Demonstranten hatten seinen Schutzhelm mit Stöcken und Baseballschlägern zertrümmert. Auch an anderen Orten wurden Beamte verletzt. In Mailand demolierten Studenten die Vitrinen von Banken und des Energiekonzerns Enel. In Neapel besetzten Demonstranten zeitweise Gleise im Hauptbahnhof.

Im Stadtzentrum von Madrid ging die Polizei mit Schlagstöcken und Gummigeschossen gegen eine Gruppe von Demonstranten vor. Zu der Auseinandersetzung war es gekommen, als die Beamten einen Anhänger der Bewegung der «Empörten» festnehmen wollten und dabei mit anderen Demonstranten aneinandergerieten.

In Spanien brachte der Streik die Produktion in den Autowerken von Konzernen wie Volkswagen, Seat, Opel oder Nissan weitgehend zum Erliegen. Die Gewerkschaften bezifferten die Beteiligung am Generalstreik auf 80 Prozent der Beschäftigten. Bei den Bahnen, U-Bahnen und Bussen war ein Mindestbetrieb vereinbart worden.

In Portugal waren vor allem der Verkehrsbereich und der öffentliche Dienst betroffen. In Lissabon fuhr die U-Bahn nicht, im ganzen Land blieben Züge und Busse stehen. Auch die Post, Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen wurden bestreikt.

In Griechenland legten Zehntausende Beschäftigte, hauptsächlich Staatsbedienstete, für drei Stunden die Arbeit nieder. Tausende demonstrierten im Zentrum Athens. «Der Sparpakt schadet ernsthaft der Gesundheit», stand auf Transparenten.

Auch in Paris protestierten mehrere Tausend Menschen unter dem Motto «Für Beschäftigung und Solidarität - gegen Sparmaßnahmen». Rund 250 Demonstranten versammelten sich am Brandenburger Tor in Berlin.

Der Europäische Gewerkschaftsbund hatte den Mittwoch zum «Solidaritätstag» erklärt. DGB-Chef Michael Sommer forderte einen Kurswechsel im Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Vor allem die Reichen müssten mehr beteiligt werden, um den wirtschaftlichen Wiederaufbau voranzubringen, sagte Sommer dem RBB-Inforadio.

Auch der Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbands IIF, Charles Dallara, kritisierte die strengen Sparmaßnahmen für Griechenland und Europa. Es müsse ein besseres Gleichgewicht zwischen Wachstum und Sparpolitik zur Überwindung der Finanzkrise gefunden werden, sagte Dallara in Athen. Endloses Sparen führe zu wenig oder keinem Wachstum.

Durch die Streiks kam es zu erheblichen Behinderungen und Ausfällen im Bahn- und Flugverkehr. Dutzende Verbindungen von und nach Deutschland wurden gestrichen. In Spanien und Portugal sagten die Fluggesellschaften Hunderte Flüge ab. Auch in Großbritannien, den Niederlanden und anderen Ländern kam es zu Ausfällen.

In Belgien legte ein 24-stündiger Streik der Bahnmitarbeiter den Zugverkehr weitgehend lahm. Die Deutsche Bahn setzte auf der ICE-Verbindung von Aachen nach Lüttich Ersatzbusse ein. «Wer nicht unbedingt dahin muss, sollte einen anderen Tag wählen», sagte ein Bahn-Sprecher. Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys zwischen Deutschland und Belgien verkehrte nicht.