Washington/Brüssel (dpa) - Knapp eine Woche nach dem Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus wegen Ehebruchs werden erste Namen für die Nachfolge gehandelt.

Der TV-Sender CBB tippt unter anderem auf Michael Morell, der den US-Geheimdienst seit Petraeus' Abgang kommissarisch leitet. Aber auch die demokratische Kongressabgeordnete und Sicherheitsexpertin Jane Harman wird genannt - sie wäre die erste Frau an der Spitze des Geheimdienstes.

Mit Spannung wurde am Mittwoch eine Pressekonferenz von Präsident Barack Obama erwartet. Er hatte sich zuvor noch nicht zu dem Thema geäußert.

Petraeus war am Freitag wegen einer außerehelichen Affäre mit seiner Biografin Paula Broadwell zurückgetreten. Das Pentagon ermittelt gegen den designierten Nato-Oberkommandeur in Europa, US-General John Allen, der «unangebrachte» E-Mails an Jill Kelley, eine Freundin der Petraeus-Familie, geschickt haben soll. Allen ist Kommandeur der Nato-geführten Afghanistan-Schutztruppe Isaf.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen stellte sich hinter den US-General. Er habe «volles Vertrauen» zu Allen, sagte Rasmussen in Brüssel. «Ich schätze wirklich seine Führungskraft», sagte Rasmussen.

US-Medien berichteten, in der Affäre seien 20 000 bis 30 000 Seiten Dokumente sichergestellt worden. Die Inhalte der Mails wurden zunächst nicht bekannt. Der TV-Sender CNN berichtete am Dienstag unter Berufung auf hohe Beamte, Allen habe keine Affäre mit Kelly gehabt.

Zu den Personalspekulationen um die Petraeus-Nachfolge meinte CNN, für den Geheimdienstveteranen Morell spreche etwa sein Einsatz zur Tötung des Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden. Allerdings war Morell bereits unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush ein hoher CIA-Vertreter. Die CIA-Pannen vor den Terroranschlägen der Al-Kaida vom 11. September 2001 und bei der Bewertung des Waffenprogramms des irakischen Präsidenten Saddam Hussein sowie der Folterskandal im Irakkrieg könnten sich für Morell nun nachteilig auswirken, hieß es.

Gehandelt werden außerdem Michael Vickers, der höchste für Geheimdienstagenten zuständige Beamte im US-Verteidigungsministerium. Ein weiterer Kandidat sei John Brennan, derzeit Obamas Top-Berater für Terrorbekämpfung. Der Präsident hatte ihn eigentlich bereits 2008 zum CIA-Chef machen wollen, meinte CNN.

Zugleich wurde bekannt, dass Petraeus demnächst vor einem Senatsausschuss über den tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi aussagen soll. Der Geheimdienst CIA war wegen der Attacke Anfang September in die Kritik geraten, weil er danach nicht rasch deutlich gemacht habe, dass es sich um einen Terroranschlag handelte. Bei dem Angriff waren vier Diplomaten getötet worden, darunter der US-Botschafter in Libyen.

Petraeus' Liebesbeziehung war aufgeflogen, nachdem Kelley sich hilfesuchend an das FBI gewandt hatte. Sie soll Droh-E-Mails von Petraeus' ehemaliger Geliebter Broadwell erhalten haben. Broadwell habe in Kelley eine Nebenbuhlerin gesehen, hieß es.

US-Medien bezeichneten die in Tampa (Florida) beheimatete Kelley als «Mitglied der feinen Gesellschaft» mit engen Kontakten zu Militärs. Unterdessen wurden weitere Details bekannt: So berichtete der TV-Sender ABC, sowohl Petraeus als auch Allen hätten sich in einem Sorgerechts-Verfahren für Kelleys Zwillingsschwester Natalie eingesetzt.