Hockenheim (dpa) - Die Verantwortlichen in Hockenheim führen derzeit keine Verhandlungen mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone über eine Alternative zum insolventen Nürburgring im kommenden Jahr.

«Es ist so, dass wir natürlich dauernd in Kontakt stehen, aber zu Verhandlungen über eine Formel-1-Veranstaltung 2013 in Hockenheim kam es nie», sagte Oberbürgermeister Dieter Gummer der Nachrichtenagentur dpa.

Er rechnet trotz der immer brisanteren Lage des Nürburgrings weiterhin damit, dass dort in gut einem halben Jahr gefahren wird. Gummer signalisierte allerdings, dass Hockenheim für den Notfall zu Gesprächen bereitstünde. «Bevor der Grand Prix in Deutschland ausfallen würde, würden wir auf jeden Fall gesprächsbereit sein. Aber Priorität genießt in jedem Fall der Nürburgring», sagte er. Es wäre aber «sicherlich sehr schwierig, so kurzfristig noch die Formel 1 zu stemmen», räumte Gummer ein.

Mit Sorge beobachtet auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug die Entwicklung auf dem traditionsreichen Nürburgring. Dort hatte ein Sprecher verlauten lassen, dass es keine Formel 1 auf dem Eifel-Kurs mehr geben werde. «Die Situation am Nürburgring ist sehr ernst und damit alles andere als erfreulich», sagte Haug der dpa.

Ein kurzer Abriss der Sanierer und der Pächter:

Thomas Schmidt: Der Jurist ist Geschäftsführer des Rings, seit die staatliche Nürburgring GmbH insolvent wurde. Seit 1997 arbeitet er als Insolvenzverwalter - 2005 betreute er nach eigenen Angaben rund 15 Prozent aller bundesweit abgeschlossenen Insolvenzplanverfahren.

Jens Lieser: Der Rechtsanwalt ist sogenannter Sachwalter. Er kennt sich ebenfalls in der Sanierung von Unternehmen aus und ist am Ring der «verlängerte Arm» des Amtsgerichts Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Jörg Lindner: Der Hotelier ist Geschäftsführer und Gesellschafter der privaten Nürburgring Automotive GmbH (NAG), die Pächterin ist. Lindner betrieb ein Hotel an der Rennstrecke, als das Land den Ring 2009 an ihn abgab.

Kai Richter: Der NAG-Mitgesellschafter übernahm mit Lindner den Ring-Betrieb. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue. Die Landesregierung kündigte beiden Betreibern im Februar. Seitdem liefen Verhandlungen, die nun zwischen Pächtern und Sanierern vorerst scheiterten.