Accra/New York (dpa) - Mit Kampfhubschraubern haben die Vereinten Nationen versucht, den Vormarsch der Rebellen im Ostkongo aufzuhalten - erfolglos. Trotz des massiven Beschusses durch die Helikopter konnten die Kämpfer der Bewegung M23 Kibumba einnehmen.

Das Örtchen liegt auf der Straße nach Goma und ist strategisch wichtig. Sollte auch die Metropole Goma fallen, droht laut UN eine humanitäre Katastrophe. In New York kam der UN-Sicherheitsrat am Samstagabend (Ortszeit) zu einer Sondersitzung zusammen.

Hervé Ladsous, Chef aller UN-Friedensmissionen, sprach in der Sondersitzung von einer dramatischen Verschlechterung der Lage. Die M23-Rebellen hätten mit 300 bis 500 Mann Kibumba angegriffen, sich nach schweren Verlusten - angeblich 64 Toten - zurückgezogen und dann doch noch einmal angegriffen. Nach vierstündigem Gefecht sei der Ort gefallen, obwohl die Monusco genannte UN-Mission massiv mit Hubschraubern eingegriffen habe. Bei 15 Einsätzen hätten die Helikopter mehr als 500 ungelenkte Raketen und Tausende Schuss aus ihren Bordkanonen abgefeuert.

Geschwindigkeit und Kampfkraft der Rebellen hätten sich deutlich erhöht, sagte Ladsous. Zudem würden sie nun auch nachts angreifen, was auf eine deutlich verbesserte Ausrüstung auch mit Nachtsichtgeräten schließen lasse. Auch die Ausbildung der Rebellen sei deutlich besser. Der Franzose sagte, es gebe Hinweise auf eine Verwicklung des Nachbarlandes Ruanda. Die UN werfen Ruanda vor, die M23 - benannt nach dem 23. März 2009, als eigentlich ein Friedensabkommen ausgehandelt wurde - zu unterstützen. Hintergrund ist der Konflikt zwischen Hutu und Tutsi, dem bei den Massakern 1994 bis zu einer Million Tutsi zum Opfer fielen. Die M23 ist von den Tutsis geprägt - ebenso wie die Regierung Ruandas.

«Wir müssen eine klare Botschaft an die Rebellen schicken», sagte Frankreichs UN-Botschafter Gerard Araud in der Sondersitzung. Sein deutscher Amtskollege Peter Wittig sagte, dass Deutschland ausdrücklich das «robuste Vorgehen» der Blauhelm-Soldaten unterstütze. Die Angriffe der M23 müssten unverzüglich enden, alle Unterstützung für die M23 ebenso. Der Schutz von Zivilisten habe unbedingte Priorität - und deshalb müsse Goma gehalten werden.

Die Rebellen werden angeblich von dem desertierten kongolesischen General Bosco Ntaganda angeführt. Der 39-Jährige, der sich selbst «Der Terminator» nennt, wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen gesucht. Die Rebellen haben in letzter Zeit vor allem im Osten Kongos Geländegewinne erzielt.

Die UN-Friedenstruppe Monusco gibt es seit November 1999. Sie ist mit mehr als 20 000 Mann nicht nur die bei weitem größte Blauhelmmission, sondern mit einem Etat von mehr als einer Milliarde Dollar auch die teuerste.

Monusco im Netz