Valencia (dpa) - 20 Grad, Sonne, Strand, Meer - der Klimawechsel vom neblig-kalten München ins angenehm warme Valencia wirkte nicht nur beim spanischen 40-Millionen-Kicker Javi Martínez stimulierend.

Auch dem angeschlagenen Topstar Franck Ribéry wird es wohl leichter fallen, bei diesem Wohlfühlwetter trotz einer schmerzhaften Rippenprellung im Schlüsselspiel des FC Bayern gegen den FC Valencia auf die Zähne zu beißen.

Die Bayern brauchen ihren Lionel Messi, mit dem Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge den Franzosen am Montag auf der Anreise an die Costa del Azahar, die «Küste der Orangenblüten» verglich - auch wenn Ribéry noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Die Prellung des Brustkorbs sei eine «nicht einfache Verletzung», berichtete Ribéry. Er konnte die Bayern-Fans aber auf der Anreise beruhigen: «Es ist ein sehr wichtiges Spiel. Ich muss spielen!»

Mit einer gewissen «Anspannung», wie Kapitän Philipp Lahm zugab, geht der Bundesliga-Primus ins vorletzte Gruppenspiel bei den punktgleichen Spaniern. Ein Ausrutscher ist verboten, wenn man «ein kleines Finale» gegen BATE Borissow vermeiden wolle, so Rummenigge.

Das rund 50 000 Zuschauer fassende Estadio Mestalla ist ein äußerst schwieriges Pflaster in Europa - dort konnte noch keine Bayern-Elf gewinnen. Valencia ist extrem heimstark, «aber wir sind ja auch nicht schlecht», konterte Präsident Uli Hoeneß, dessen Rechnung fürs Weiterkommen so lautet: «Nicht verlieren in Valencia. Und wenn wir dann gegen Borissow daheim gewinnen, sind wir Gruppenerster.» Klingt einfach - ist es aber nicht.

Zumindest in der Form vom Wochenende. «Wir werden es besser machen müssen als in Nürnberg», mahnte Rummenigge. Beim 1:1 wurde Ribéry schmerzlich vermisst. «Franck war in den letzten Monaten der beste Spieler bei uns. Er kann mit seinen schnellen Dribblings und seinen schnellen Kontern für Unruhe sorgen», betonte Rummenigge.

Einzelkritik überlässt der Vorstandsboss ansonsten strikt Trainer Jupp Heynckes - bei Ribéry machte Rummenigge am Montag eine Ausnahme. Die Lobrede auf den Franzosen endete mit Superlativen: «Nehmen sie Messi bei Barcelona raus, Ronaldo bei Real Madrid, Rooney bei Manchester United - jede große Mannschaft hat Schlüsselspieler, von denen sie abhängig ist. Unser Spiel ist auch ein Stück weit abhängig von Franck Ribéry.»

Den Franzosen erfreute das Lob des Bayern-Chefs. Bestätigen will der Turbo-Dribbler Rummenigge auf dem Platz. «Ein Sieg wäre super für uns», sagte Ribéry. Selbst ein Sieg und dann 12 Punkte würden den Bayern das Achtelfinal-Ticket nur dann vorzeitig garantieren, wenn Borissow sein Heimspiel gegen den OSC Lille nicht gewinnt.

Heynckes denkt, dass es bei Ribéry trotz Blessur «gehen müsste». Schwerstarbeit erwartet der Trainer für die Defensive, in der Martínez bei seiner ersten Spanien-Dienstreise als Angestellter des FC Bayern ebenfalls im Fokus steht. 50 Bekannte und Verwandte reisen extra mit dem Bus aus Martínez' baskischer Heimat im Norden Spaniens an. «Den hundertprozentigen Martínez werden wir erst in der Rückrunde sehen», meinte Rummenigge, «aber wir brauchen ihn auch jetzt.» Zumal Mittelfeld-Konkurrent Luiz Gustavo (Leiste) weiterhin ausfällt.

Dafür sitzt Mario Gomez erstmals in dieser Saison als Joker auf der Bank. Valencia sei ein «idealer Zeitpunkt» für ein Comeback, erklärte Gomez, der vergangene Saison mit zwölf Treffern zweitbester Champions-League-Torschütze nach Messi (14) war. Die aktuelle Nummer zwei der Torschützenliste dieser Saison spielt für Valencia: Roberto Soldado (4 Tore). Auch bei Valencias 2:1 im Heimspiel gegen Espanyol Barcelona erzielte der Nationalspieler am Wochenende kurz vor Schluss das Siegtor und war der gefeierte Matchwinner.