Jerusalem/Kairo (dpa) - Gerade hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle erneut betont, er sei nicht als Vermittler unterwegs, da berichtet der israelische Rundfunk, Ägypten habe ein Ende der Gewalt noch für Dienstag angekündigt.

Und Deutschland habe - neben Ägypten - eine wichtige Vermittlerrolle gespielt. «Kein Kommentar», mehr war dazu aus der Delegation Westerwelles kurz vor dem Abflug von Tel Aviv nach Kairo nicht zu erfahren.

Gleichzeitig führte auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Gespräche in Kairo und Jerusalem, und US-Außenministerin Hillary Clinton wurde in Israel erwartet.

In welcher Form deutsche Diplomatie möglicherweise zu einem Durchbruch führte, darüber herrschte zunächst Stillschweigen. Schon beim Austausch des im Gazastreifen entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit 2011 gegen mehr als 1000 palästinensische Häftlinge hatte Deutschland vermittelt. Der mysteriöse BND-Mann Gerhard Konrad soll dabei Entscheidendes geleistet haben.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte in Jerusalem ausdrücklich die deutsche Rolle. «Ich glaube, dass Deutschland eine konstruktive Rolle bei den Bemühungen zur Beendigung dieses Konflikts einnimmt», sagte er. Westerwelle bekräftigte die Unterstützung für «unsere Freunde in Israel».

Die ägyptische Regierung zeigte sich auskunftsfreudiger. «Spätestens am Freitag wird die Waffenruhe-Vereinbarung hier in Kairo unterzeichnet werden», hieß es im ägyptischen Außenministerium. Allerdings blieb zunächst offen, woher die Ägypter diese Überzeugung nahmen, während gleichzeitig weiter Raketen abgeschossen wurden - in Richtung Gaza wie in Richtung Israel. Allerdings gab sich auch Hamas-Sprecher Ayman Taha in Kairo nach Informationen der BBC zuversichtlich, dass es eine Waffenruhe noch am Abend in Kraft trete.

Dazu in klarem Kontrast: Israel verschärfte seine Luftangriffe am Nachmittag sogar noch, es gab mindestens zehn weitere Tote. In Flugblättern wurden die Bewohner im Osten von Gaza-Stadt aufgefordert, sich im Zentrum der Stadt in Sicherheit zu bringen. Möglicher Grund: Baldiger Beschuss mit Artillerie.

Auch die Hamas rüstete zumindest verbal auf. Ihr oberster Militärchef Mohammed Deif stellte eine drohende israelische Bodenoffensive sogar als positiv und Chance für die Hamas dar. «Wenn sie (die Israelis) eine großangelegte Offensive wollen, sind wir bereit. Dies wird eine großartige Gelegenheit sein, unsere Gefangenen (aus israelischen Gefängnissen) zu befreien», sagte Deif in einer Mitteilung. Bei Kämpfen Haus um Haus könnten der Hamas Israelis in die Hände fallen, so das Kalkül. Wiederholt hatte die Hamas angekündigt, israelische Soldaten entführen zu wollen, um Gefangene freizupressen.

Vor diesem schwierigen Hintergrund versuchten ägyptische Diplomaten eine Feuerpause zu vermitteln - unbestritten ist, dass Ägypten auch in dieser Krise eine entscheidende Rolle zukommt. Und das, obwohl jetzt in Kairo ein Islamist mit guten Beziehungen zur Hamas den Ton angibt und nicht mehr Husni Mubarak, der die Fatah-Bewegung unterstützt hatte.

Da die US-Regierung auf Abstand zur Hamas bedacht ist, fällt den Ägyptern die Rolle des Vermittlers zu. US-Präsident Barack Obama telefonierte Montagnacht mit Netanjahu und - als Stellvertreter für die andere Konfliktpartei - mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi.

Die Ägypter unterstützen die Hamas in ihrem Bestreben, eine Waffenruhe-Vereinbarung mit einer Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens zu verbinden. «Die Araber werden eine Politik der Blockade, mit dem Ziel die Palästinenser (im Gazastreifen) auszuhungern, niemals akzeptieren», sagt Außenminister Mohammed Amr. Israel hingegen kann der von der Hamas geforderten Ende der Blockade auch nur schwer zustimmen. Dann könnten noch mehr Waffen in die Enklave gelangen, als jetzt schon - trotz Blockade.

Israelische Armee

Israelischer Ministerpräsident

Auswärtiges Amt zu Israel

Israelische Regierung