Kairo/Tel Aviv (dpa) - In der Nahost-Krise gibt es trotz heftiger Kämpfe zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen die Aussicht auf eine Waffenruhe. Ägypten mache Fortschritte bei der Vermittlung zwischen Israel und der Hamas-Bewegung.

Das berichtete der Nachrichtensender Al-Arabija am Dienstag. In Kairo gebe es Vorbereitungen für die Unterzeichnung einer Vereinbarung. Zugleich gingen intensive diplomatische Bemühungen weiter. Bislang starben bei Angriffen 116 Menschen im Gazastreifen und drei in Israel. Fast 1000 Menschen wurden verletzt, meist im Gazastreifen.

Israel bestätigte indirekt die Gespräche in Ägypten, dementierte jedoch die Angaben zu einem bevorstehenden Durchbruch. Es sei noch keine zufriedenstellende Regelung gefunden worden, sagte Mark Regev, Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Bundesaußenminister Guido Westerwelle setzten ihre Bemühungen um eine Entschärfung der Krise fort. US-Außenministerin Hillary Clinton wurde in Israel erwartet, Vertreter der Arabischen Liga im Gazastreifen.

Westerwelle bekräftigte die deutsche Unterstützung Israels. Bei einem Treffen mit Präsident Schimon Peres in Jerusalem sagte Westerwelle: «Wir stehen an der Seite unserer Freunde in Israel. Israel hat das Recht, sich selbst und seine Bevölkerung zu verteidigen.» Zugleich forderte er weitere Bemühungen für einen raschen Waffenstillstand oder zumindest eine Feuerpause. Voraussetzung sei jedoch, dass die radikal-islamische Hamas ihre Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Israel einstelle. Anschließend standen noch Treffen mit Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf dem Terminplan Westerwelles.

Peres sprach sich ebenfalls für weitere Anstrengungen aus, um einen Waffenstillstand zu erreichen. «Wir müssen das Schießen beenden und versuchen, wieder Hoffnung auf einen Frieden im Nahen Osten zu bekommen.» Im Lager der Palästinenser gebe es jedoch eine Fraktion, die «verrückt und fanatisch» sei.

Nach Informationen aus Kairo soll es bei den Gesprächen nicht nur um ein Ende der Raketenangriffe auf Israel gehen, sondern auch um ein Ende der Blockade des palästinensischen Gazastreifens. Ägyptens Außenminister Mohammed Amr hatte Berichte über eine Vereinbarung am Vorabend nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo noch nicht bestätigen wollen. Ban wollte nach Informationen aus Jerusalem am Nachmittag von Kairo nach Israel reisen.

Ban warnte am Dienstag in Kairo vor einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Dies wäre eine «gefährliche Eskalation», sagte er. Israel will vorerst auf eine Bodenoffensive verzichten, um den internationalen Bemühungen um eine Waffenruhe noch eine Chance zu geben. «Wir geben ihnen noch Zeit, aber nicht unbegrenzt», sagte Regev. «Parallel dazu gehen die Vorbereitungen für eine Bodenoffensive weiter», warnte er. Netanjahu hatte am Vorabend seinen engsten Ministerkreis zu einer Dringlichkeitssitzung versammelt, um über den Fortgang der Militäroperation oder eine Waffenruhe zu beraten. Die Sitzung sei jedoch ohne Entscheidung zu Ende gegangen.

Unterdessen setzten die israelischen Streitkräfte ihre am vergangenen Dienstag begonnenen Angriffe im Gazastreifen fort. In der Nacht seien etwa 100 Ziele bombardiert worden, sagte eine Sprecherin. Militante Palästinenser nahmen nach einer relativ ruhigen Nacht mit nur fünf Raketen am Morgen wieder den Beschuss israelischer Städte auf. Mindestens 40 Geschosse seien in Richtung Israel abgefeuert worden, teilte die Polizei mit. In Beerscheva sei ein Haus direkt getroffen worden. In der Negev-Wüste wurde ein Mann von Granatsplittern verletzt.

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