Jerusalem (dpa) - Außenminister Westerwelle hat im Gaza-Konflikt alle Seiten zu weiteren Bemühungen für eine Waffenruhe aufgefordert.

«Unser Ziel ist es, einen tragfähigen nachhaltigen Waffenstillstand zu ermöglichen», sagte Westerwelle am Dienstag nach Gesprächen in Israel und den Palästinensergebieten. Nach bald einer Woche gegenseitiger Angriffe gehe es nun zunächst aber um eine schnelle Feuerpause.

Westerwelle entschloss sich deshalb kurzfristig noch zu einer Reise nach Ägypten, das bei den Bemühungen um ein Ende der Gewalt eine Schlüsselrolle spielt.

Der FDP-Politiker ließ auf seiner zweitägigen Nahost-Reise jedoch keinen Zweifel daran, dass die Bundesregierung ihre Rolle an der Seite Israels sieht. Bei Treffen mit Regierungschef Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Schimon Peres betonte er: «Wir stehen an der Seite unserer Freunde in Israel. Israel hat das Recht, sich selbst und seine Bevölkerung zu verteidigen.» Kritik an einer vermeintlich einseitigen deutschen Positionierung bezeichnete er als «unangebracht». Am späten Nachmittag wurde er in Kairo erwartet.

Während Westerwelles Jerusalem-Besuchs wurde dort wegen einer aus dem Gazastreifen abgeschossenen Rakete Luftalarm ausgelöst. Der Minister hielt sich zu diesem Zeitpunkt bei einer Besprechung im Traditionshotel «King David» auf. Kurze Zeit später wurde Entwarnung gegeben. Die Rakete schlug auf offenem Gelände ein, ohne dass Schaden entstand.

Netanjahu und Peres zeigten sich in den Gesprächen zu einer diplomatischen Lösung bereit, betonten aber das Recht ihres Landes auf Selbstverteidigung. Der Ministerpräsident sagte nach Angaben von Teilnehmern, Deutschland könne dabei eine «sehr konstruktive Rolle» spielen. Wichtig sei, dass die radikal-islamische Hamas «keine Terrorwaffen mehr in die Hand» bekomme. Als wichtige Einfuhrschleuse gelten die zahlreichen unterirdischen Tunnel zwischen dem Gazastreifen und Ägypten. Westerwelle sagte, beim Kampf gegen den Waffenschmuggel könne die Staatengemeinschaft helfen.

Als Voraussetzung für einen Waffenstillstand nannte der FDP-Politiker, dass der Raketenbeschuss auf Israel aus dem Gazastreifen beendet wird. In den vergangenen sieben Tagen gab es bei den gegenseitigen Angriffen schon mehr als 100 Tote, fast alle Palästinenser. In Ägypten versuchen beide Seiten, eine Feuerpause auszuhandeln. Westerwelle sagte, Ägypten spiele eine große Rolle, weil es auf die Hamas in Gaza einwirken könne. Die Menschen dort müssten aber auch eine «wirtschaftlich lebensfähige Perspektive» bekommen.