Berlin (dpa) - Nach dem tödlichen Feuer in einer Textilfabrik in Bangladesch haben Experten und Gewerkschafter die Politik und die Wirtschaft in Deutschland zum Handeln aufgerufen. Die Gewerkschaft Verdi forderte die Bekleidungskette C&A am Montag auf, ein internationales Brandschutz-Abkommen zu unterzeichnen.

In Bangladesch gingen tausende Arbeiter auf die Straßen und prangerten die oft schlechten Arbeitsbedingungen an.

Das Feuer hatte am Wochenende in einer Fabrik gewütet, die für C&A und andere europäische und US-amerikanische Firmen produzierte. Die Regierung versuchte, die Stimmung zu besänftigen. Premierministerin Sheikh Hasina sagte, Brandstifter hätten das Feuer mit mehr als 100 Toten gelegt. Dienstag wurde in Bangladesch zum offiziellen Trauertag erklärt. Ein weiteres Feuer in einer großen Bekleidungsfabrik am Rand der Hauptstadt Dhaka verlief glimpflich, es gab keine Opfer.

Textilunternehmen müssten per Gesetz dazu gebracht werden, sich an versprochene Sozialstandards zu halten, sagte Sabine Ferenschild vom Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene in Siegburg in Nordrhein-Westfalen dem Mitteldeutschen Rundfunk. Die Unternehmen aus Europa und den USA hätten zwar freiwillige Verhaltensregeln mit Standards formuliert. Diese würden den direkten Zulieferern auch zur Unterzeichnung vorgelegt, sagte Ferenschild der Nachrichtenagentur dpa. «Das heißt aber nicht, dass die auch umgesetzt werden.»

Mehr als ein Viertel der Kleidung, die in Deutschland verkauft wird, kommt aus China. Dahinter folgen laut Statistischem Bundesamt und Modeverband GermanFashion die Türkei und Bangladesch (13 Prozent und 12 Prozent).