Berlin (dpa) - Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe soll laut «Bild»-Zeitung vor der Anklageerhebung doch aussagebereit gewesen sein und einen Wechsel ihrer Anwälte erwogen haben.

Das habe die in Köln inhaftierte 37-Jährige in Gesprächen auf einem Gefangenentransport am 25. Juni gegenüber ihren Begleitern vom Bundeskriminalamt deutlich gemacht, berichtet die Zeitung unter Berufung auf das ihr vorliegende zwölfseitige Gesprächsprotokoll. Die Bundesanwaltschaft hat Zschäpe Anfang November wegen Mittäterschaft an der Mord- und Anschlagsserie sowie den Banküberfällen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) angeklagt.

Einer von Zschäpes Anwälten nannte den Bericht «lange überholt». Die Kanzlei werde sich am Nachmittag dazu äußern, sagte Wolfgang Stahl am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor wolle man sich noch einmal das Protokoll ansehen, das der Kanzlei lange vorliege.

Nach Angaben ihrer Anwälte von vor wenigen Tagen will Zschäpe vor Gericht schweigen. «Wir mussten Frau Zschäpe nicht dazu überreden», sagte ihr Kölner Anwalt Wolfgang Heer der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag). Ob dies aber für die gesamte Dauer des Prozesses gelte, stehe nicht fest.

Dem «Bild»-Bericht zufolge sagte Zschäpe im Sommer ihren BKA-Begleitern, sie habe sich gestellt, um auszusagen. Ihre Anwälte rieten ihr aber ab, deshalb sei sie unsicher. Sie würde sogar überlegen, die Verteidiger zu wechseln. Zschäpe wurde der Zeitung zufolge mit dem Gefangenentransport von Köln nach Gera verlegt, damit Mutter und Großmutter sie im dortigen Gefängnis besuchen konnten.