München (dpa) - Die deutschen Top-Clubs lehnen eine mögliche Reform der Fußball-Europapokal-Wettbewerbe ab. Die Europa- und Champions-League-Teilnehmer sprachen sich mehrheitlich gegen die Vorschläge von UEFA-Präsident Michel Platini aus.

Borussia Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp hat Gedankenspielen zu einer Reform der Champions- und Europa-League vehement widersprochen. «Da halte ich überhaupt nichts von. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass die Champions League oder die Europa League eine Reform bräuchten», ergänzte Fußball-Lehrer Klopp. Der Dortmunder reagierte fast erbost auf den Platini-Plan, die Europa League möglicherweise zu streichen und stattdessen die «Königsklasse» von 2015 an auf 64 teilnehmende Vereine auszuweiten: «Das ist genauso blödsinnig, als würde man die 1. und 2. Bundesliga zusammenlegen.» Klopp hofft, dass Champions League und Europa League nicht vereint werden, «so lange ich Trainer bin».

«Das ist ziemlich platt und überflüssig. Wir sind sehr zufrieden mit der Europa League», sagte Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke. «Es ist sehr gefährlich, wenn immer die gleichen Mannschaften die Champions League bestreiten würden», sagte Borussia Mönchengladbachs Cheftrainer Lucien Favre. «Dann werden die Reichen immer reicher und der Unterschied zwischen den Vereinen wird immer größer.» Auch Sportdirektor Fredi Bobic vom VfB Stuttgart ist skeptisch. «Sollte man das dann noch Champions League nennen? Wenn man die Europa League in die Champions League hineinbringt, dann ist es ja eher eine Europa League», sagte er.

Manager Horst Heldt vom Champions-League-Teilnehmer Schalke 04 sagte der «Bild»: «Grundsätzlich sollte die Champions League der Wettbewerb mit der herausragenden Stellung bleiben.» Er gab jedoch auch zu: «Momentan kommt die Europa League im Vergleich etwas schlecht weg, das muss man sagen.»

Sportchef Rudi Völler von Bayer Leverkusen, das sich wie alle deutschen Vereine mit Ausnahme des VfB Stuttgart bereits für die nächste Runde in den europäischen Wettbewerben qualifiziert hat, wollte dem Vorschlag nicht sofort eine Absage erteilen. «Man sollte eine Idee nicht gleich verdammen und sich das erst mal anhören», sagte er. «Entscheidend für die Bundesliga ist ja, wie viele Mannschaften dann in der Champions League spielen.»

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hatte sich zuvor schon deutlich gegen die Vorschläge ausgesprochen. «Wir sind keine Freunde davon, Qualität zulasten der Quantität zu verändern. Wir sind nicht für die Abschaffung der Europa League und absolut gegen eine Erweiterung der Champions League», sagte er.

Stattdessen berichtete Rummenigge von einem anderen Vorschlag der von ihm angeführten European Club Association (ECA): Demnach soll der Sieger der Europa League im darauffolgenden Jahr in der Champions League starten. «Eine gute Idee», sagte Favre. Auch Bobic bewertete den Vorschlag positiv: «Das kann man machen.»