São Paulo (dpa) - Er ist wieder da. Der «große Felipe», Luiz «Felipão» Scolari soll es noch mal machen. Die Mission ist klar: Der neue Fußball-Nationaltrainer Brasiliens soll den Rekordweltmeister 2014 zum ersehnten Titel Nummer sechs führen.

Mit dem 64-Jährigen als Trainer holte Brasilien 2002 den fünften Titel. «Felipão» wird von Spielern und Journalisten gleichermaßen gefürchtet, geachtet und geliebt. Anders als seinem vor einigen Tagen gefeuerten Vorgänger Mano Menezes traut man ihm offenbar zu, die nationale Mission zu erfüllen. Dennoch bekommt er in Alberto Parreira, dem erfolgreichen WM-Coach von 1994, einen «Koordinator» an die Seite gestellt.

Scolari vereint aus Sicht der Brasilianer vieles, was Menezes und auch dessen Vorgänger Carlos Dunga nicht hatten. Temperament, Leidenschaft und Witz. Er gilt als Prototyp des Kämpfers. Oft genug brachten ihm seine Temperamentsausbrüche am Spielfeldrand Rügen und Platzverweise der Schiedsrichter ein. Er leidet, brüllt, kämpft und rennt während des Spiels vor der Trainerbank wild gestikulierend auf und ab. «Er ist ein Guerreiro (Krieger)», sagt Taxi-Fahrer José in Rio de Janeiro, der mit der Wahl des neuen Coachs mehr als zufrieden ist.

Scolari hat nationale und internationale Trainererfahrung. Er führte Clubs und Länder zu Erfolgen. Neben der brasilianischen Seleção trainierte er von 2003 an auch die von Portugal und führte die Portugiesen bei der WM 2006 bis ins Halbfinale. Insgesamt umfasst seine Trainerlaufbahn über 20 Stationen. Zwischen dem 1. Juli 2008 und dem 9. Februar 2009 war er auch Chefcoach beim FC Chelsea - konnte die in ihn gesetzten Erwartungen in London aber nicht erfüllen. Bei Palmeiras (São Paulo) heuerte er zweimal an (1997-2000, 2010-2012). Dort wurde er erst im September wegen Erfolglosigkeit entlassen.

Vor drei Jahren beantwortete Scolari die Frage eines Journalisten auf etwaige Nationaltrainer-Ambitionen so: «Bist Du verrückt? Stell' Dir den Druck vor.» Doch seitdem sind zwei Trainer - Dunga und Menezes - verschlissen. Der Druck ist zwar noch größer geworden, doch die Ruhmchancen auch. Bis zu Scolaris Feuerprobe dauert es nur noch sieben Monate. Dann muss sich seine Seleção beim Confederations Cup im eigenen Land mit anderen Weltmeistern wie Spanien, Italien und Uruguay auf Augenhöhe messen.

Joseph Blatter hat sich erleichtert über die schnelle Ernennung von Luiz Felipe Scolari zu Brasiliens neuem Fußball-Nationaltrainer geäußert, eine Einflussnahme der FIFA bei der Personalie aber nicht bestätigt. «Wenn man eine Nationalmannschaft hat, muss man auch einen Nationaltrainer haben», sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes bei einer Pressekonferenz in Sao Paulo. «Sie bereiten die WM vor und sie haben die Auslosung zum Confederations Cup. Brasilien ohne Trainer, das ist keine Option», sagte Blatter.

Spekulationen über einen FIFA-Einfluss zu einer schnelleren Lösung hatte Generalsekretär Jérôme Valcke noch am Mittwoch energisch zurückgewiesen. «Eine Nationalmannschaft kann kein Niemandsland sein», sagte Blatter am Donnerstag. Scolari bezeichnete er als ausgezeichnete Wahl: «Das ist ein großer Name und ich wünsche ihm großen Erfolg.»

CBF