New York (dpa) - Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat von der UN-Vollversammlung die Anerkennung eines Staates Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt verlangt.

«Ich rufe die Vollversammlung auf, heute die Geburtsurkunde eines Staates Palästina auszustellen», sagte Abbas vor den Vertretern der 193 UN-Mitglieder. «Wir werden nicht weniger akzeptieren als die Unabhängigkeit eines Staates Palästina mit Ost-Jerusalem als seiner Hauptstadt - auf dem gesamten Territorium, das 1967 besetzt wurde - um in Frieden und Sicherheit neben Israel zu leben.»

Abbas erhob aber schwere Vorwürfe gegen Israel: «Wir kommen zu Ihnen noch mit offenen Wunden von der jüngsten israelischen Aggression. Wir begraben noch unsere Märtyrer. ... Aber wir kommen zu Ihnen, weil wir an den Frieden glauben und ihn mehr denn je brauchen», sagte er an die Versammlung gewandt. Die Aufwertung der Palästinensergebiete zu einem UN-Beobachterstaat sei die einzige Möglichkeit, die Zwei-Staaten-Lösung zu retten.

«Unsere friedlichen politischen und diplomatischen Bemühungen um Anerkennung als Beobachterstaat wurden von Israel mit einer Flut von Bedrohungen beantwortet», sagte Abbas. Einige dieser Drohungen seien «in barbarischer und furchtbarer Weise umgesetzt worden, gerade vor wenigen Tagen in Gaza». Doch: «Der Moment ist gekommen, dass die Welt sagt: Genug der Aggression, Besiedlung und Besetzung. Deshalb sind wir heute hier.»

Abbas fügte hinzu: «Wir sind nicht gekommen, um hier einem Staat, der vor Jahrzehnten gegründet wurde, die Legitimität abzusprechen - das ist Israel. Aber wir kommen, um die Legitimität eines anderen Staates zu bekräftigen - und das ist Palästina.»

Die Resolution zur Aufwertung der Palästinenser zum Beobachterstaat bei den Vereinten Nationen ist von mehr als 60 Staaten eingebracht worden. Vor der Abstimmung sollten sechs Redner sprechen, darunter Abbas.