Hannover (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel geht mit einer Rekordzustimmung als CDU-Chefin und einem kämpferischen Bekenntnis für Schwarz-Gelb ins Wahljahr 2013.

«In diesen Zeiten könnte keine andere Koalition unser Land besser in eine gute Zukunft führen als unsere, die christlich-liberale Koalition», sagte die 58-Jährige am Dienstag beim CDU-Parteitag in Hannover. Bei ihrer Wiederwahl bekam die seit zwölf Jahren amtierende Vorsitzende mit rund 97 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis. Merkel versuchte, das gesellschaftspolitische Profil der CDU mit einem Plädoyer für mehr Frauen-Rechte zu schärfen. Eine steuerliche Besserstellung der Homo-Ehe lehnte der Kongress ab.

Unter dem Jubel der Delegierten sagte Merkel nach ihrer Bestätigung im Amt: «Ich bin platt und bewegt. Jetzt geht es zusammen mit denen, die noch gewählt werden, ran an den Speck. Wir haben viel vor.» Merkel bekam nach CDU-Angaben mit 97,94 Prozent das beste Ergebnis für einen CDU-Chef seit der Wahl Helmut Kohls im Jahr der deutschen Vereinigung 1990. Für sie stimmten 903 Delegierte, 19 gegen sie, 9 enthielten sich.

Die CDU wertet anders als andere Parteien die Enthaltungen als ungültige Stimmen. Nach allgemein üblicher Zählung kam Merkel nun auf 97 Prozent. Ihr bis dahin bestes Ergebnis hatte sie bei ihrer ersten Wahl im Jahr 2000 mit rund 95 Prozent erhalten.

Bei der Wahl der Vize-Vorsitzenden bekam die erstmals angetretene rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner das beste Ergebnis mit 92,9 Prozent - das schwächste mit 67,3 Prozent der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen CDU, Armin Laschet, der auch neu kandidierte. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier wurde mit 83,4 Prozent bestätigt, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen mit 69 Prozent. Baden-Württembergs CDU-Chef Thomas Strobl erhielt bei seiner ersten Wahl 68 Prozent. Zuvor war die Zahl der Vizeposten von vier auf fünf erhöht worden, um Kampfkandidaturen zu vermeiden.

Merkel bekräftigte in einer einstündigen Rede, dass sie mit der FDP weiterregieren will. Union und FDP hätten im Vergleich zu allen anderen Konstellationen immer noch die größten Gemeinsamkeiten. Sie räumte mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst 2013 aber ein, dass für einen Erfolg gekämpft werden müsse: «Unser Koalitionspartner muss noch zulegen, dass wir es auch schaffen.» FDP-Chef Philipp Rösler begrüßte Merkels Bekenntnis als «Signal der Verlässlichkeit».

Bei der Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise rechnet die Kanzlerin mit einem langen Prozess. «Wenn ich es mir leicht machte, könnte ich sagen: Das Schlimmste ist überstanden. Ich sage aber ausdrücklich, wir sollten vorsichtig sein.» In der Aussprache wurde auch Kritik am Rettungskurs laut. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bekam bei der Wahl ins Präsidium mit 91,9 Prozent aber großen Rückhalt.

Die CDU bleibt bei ihrem Nein zu einer steuerlichen Gleichstellung homosexueller Paare mit verheirateten Männern und Frauen. Auf diese Position hatte sich vor dem Parteitag auch Merkel festgelegt. Nach ernsthafter Debatte wurde ein entsprechender Antrag bei etlichen Gegenstimmen angenommen. Generalsekretär Hermann Gröhe sagte, das Ehegattensplitting sei Ausdruck der Vorgabe des Grundgesetzes, Ehe und Familie besonders zu fördern. Der Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak sagte dagegen, keinem Ehepaar würde etwas weggenommen, wenn auch Schwule und Lesben vom Splitting profitierten.

Am Dienstagabend wollten die Delegierten über Rentenverbesserungen für ältere Mütter entscheiden. Merkel warb dafür, dass der Parteitag ein Zeichen dafür setze. Ein Kompromissvorschlag des Vorstands formulierte als Ziel, die Anerkennung von Erziehungszeiten für Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren sind, zu verbessern. Dies könne wegen der nötigen Etatkonsolidierung aber nur schrittweise gehen.

Die SPD warf Merkel und der CDU Schönrednerei vor. «Die wirklichen Probleme des Landes werden nicht diskutiert, geschweige denn gibt es Lösungskonzepte», sagte Generalsekretärin Andrea Nahles. Sie verwies etwa auf die Energiewende und den Kampf gegen drohende Altersarmut.

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