Neu Delhi (SID) - Dem Ausschluss durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) zum Trotz will das Nationale Olympische Komitee Indiens (IOA) die Wahl eines wegen Korruption verurteilten Funktionärs wie geplant durchführen. Wie die IOA am Mittwoch mitteilte, werde mit offiziellen Ergebnissen noch am Mittwochabend gerechnet. "Das Oberste Gericht in Deu Delhi hat angeordnet, die Wahl nach den Statuten der Regierung durchzuführen. Das tun wir", sagte IOA-Präsident Vijay Kumar Malhotra: "Wir können uns staatlichen Gesetzen nicht widersetzen."

Trotz elfmonatiger Gefängnisstrafe wegen Korruption gegen Lalit Bhanot wäre dessen Wahl zum Generalsekretär damit Formsache, er tritt ohne Gegenkandidaten an. Am Dienstag hatte das IOC die Absage der Wahl gefordert und Indien vorerst ausgeschlossen. Indische Sportler dürfen bis zur Aufhebung des Bannes nicht mehr bei Olympischen Spielen starten, Funktionäre nicht mehr an IOC-Sitzungen teilnehmen. Zudem kündigte das IOC an, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen.

Die Wahl Bhanots wäre für das IOC ein Verstoß gegen seine Charta. "Die IOA ist nicht berechtigt, Wahlen durchzuführen", hatte IOC-Direktor Pere Milo gesagt, der für Beziehungen zu den NOKs zuständig ist.

Derweil hoffen Indiens Athleten auf eine reinigende Wirkung des Bannes. "Als Sportler fühle ich mich zwar verwaist", sagte der Schütze Joydeep Karmakar, Vierter mit dem Kleinkaliber-Gewehr bei Olympia in London: "Gleichzeitig bin ich aber optimistisch, dass die Maßnahme uns einen effizienteren und verantwortungsvolleren Verband bringt."

Erst im Oktober hatte IOA-Präsident Suresh Kalmadi, der im April 2011 wegen Millionenbetrugs verhaftet und zu einer neunmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden war, auf seine Wiederwahl verzichtet.