Hochfilzen (dpa) - Sie können ja nun wirklich nichts dafür, dass Magdalena Neuner ihre Biathlon-Karriere beendet hat. Die deutschen Skijägerinnen haben auch beim Weltcup in Hochfilzen alles gegeben, doch der Schatten der Rekordweltmeisterin hängt wie ein Damoklesschwert über ihnen.

«Das Jahr eins nach Neuner ist zum Teil auch ein Hemmnis, und ich weiß, das macht die Situation für die Athletinnen nicht einfacher», sagte Bundestrainer Gerald Hönig.

Das Männerteam dagegen sammelte gleich im ersten Rennen nach dem Rücktritt des dreimaligen Olympiasiegers Michael Greis einen Sprint-Sieg durch Andreas Birnbacher ein. Ohne den nach Platz fünf in der Verfolgung am Samstag geschonten Gesamtweltcup-Zweiten konnten Simon Schempp, Erik Lesser, Florian Graf und Arnd Peiffer am Sonntag in der ersten Saison-Staffel als Sechste beim Sieg der Norweger aber nicht überzeugen. «Das beunruhigt uns nicht», sagte Männer-Bundestrainer Mark Kirchner.

Die Skijägerinnen dagegen tun sich schwer. Und so sind minimale Verbesserungen - etwa die Laufbestzeit und die fehlerreduzierte Schießleistung von Miriam Gössner oder Nadine Horchlers erster Top-Ten-Platz der Karriere im Verfolgungsrennen Hoffnungsschimmer. «Kleine Erfolgserlebnisse helfen uns weiter», sagt Hönig.

Man müsse Vertrauen haben in die Leistung dieser Mädels, fordert er. «Aber sie müssen es sich natürlich erarbeiten, das bekommt niemand geschenkt», stellte Hönig fest. Um die Lena-Lücke aufzufüllen, brauchen ihre Nachfolgerinnen Zeit. Genau wie die prominente Umsteigerin Evi Sachenbacher-Stehle. Die Langlauf-Olympiasiegerin soll beim nächsten Weltcup in Pokljuka erstmals zum deutschen Team gehören.

Seit Neuners Rücktritt feststeht, also seit einem Jahr, haben die Trainer versucht, die Mannschaft auf die neuen Gegebenheiten vorzubereiten. «Andere Athletinnen», erklärte Hönig, «müssen Verantwortung übernehmen, andere Athletinnen müssen versuchen, sich weiterzuentwickeln, um den Stand dieser Damenmannschaft halbwegs hochzuhalten, wie man es über viele Jahre gewohnt ist.»

Es ist ja nicht nur Magdalena Neuner, die dem Team fehlt. Auch Kati Wilhelm, Martina Beck und Simone Hauswald sind nicht mehr dabei. «Das zu verkraften, das ist schwer und das fällt diesen Mädels auch schwer, denn sie wollen beweisen, dass sie auch ähnliche Resultate bringen können wie die Generation vor ihnen.»

Andrea Henkel gehört zu dieser Generation. Sie ist achtmalige Weltmeisterin, hat zweimal Olympia-Gold und 21 Weltcup-Rennen gewonnen. Sie hat den Skijägerinnen zwar vor Wochenfrist in Östersund den ersten Podestplatz beschert, doch die Diskussion um die Lena-Lücke hat sich dadurch nicht beruhigt. Man habe, stellte Henkel in Hochfilzen fest, «wirklich das Gefühl, von uns wird jetzt gar nichts mehr erwartet, wir können jetzt alle nichts mehr bringen, weil die Lena weg ist», sagte die Thüringerin.