Hannover (dpa) - Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will die Bundestagswahl im nächsten Jahr zur Richtungsentscheidung über den politischen Kurs in Deutschland machen.

«Es geht wieder um ein neues Gleichgewicht. Es geht um die Renaissance der sozialen Marktwirtschaft», sagte er am Sonntag vor seiner offiziellen Wahl auf dem SPD-Parteitag in Hannover.

«Deutsche Politik muss wieder von Haltung und Werten bestimmt sein», rief Steinbrück. «Der soziale Wohlfahrtsstaat ist das große Projekt der deutschen Sozialdemokratie.» Dieser Wohlfahrtsstaat sei kein Luxus, er mache vielmehr Freiheit und Demokratie erst möglich.

Die SPD werde der Bevölkerung klare programmatische Alternativen zur schwarz-gelben Koalition anbieten, kündigte Steinbrück an. Die Wähler könnten darüber entscheiden, ob es einen flächendeckenden Mindestlohn, verbindliche Frauenquoten, eine bessere Bildung eine armutsfeste Rente und erschwingliche Mietwohnungen geben solle.

Schwarz-Gelb warf er in allen zentralen Zukunftsfragen politische Orientierungslosigkeit vor. Die Union blende die Realität aus und sei zu einer «bloßen Machtmaschine» geworden. «Das einzige programmatische Angebot ist: die Vorsitzende selber und sonst gar nichts», erklärte Steinbrück vor den 600 Delegierten. Die Kanzlerschaft von Angela Merkel sei ihr einzig verbliebener «Markenkern». Politisch wisse aber niemand, wohin die Reise mit der Union überhaupt gehen solle - in Europa ebenso wie in der Gesellschaft. Überall bleibe Merkel im Ungefähren. «Wir hören Popcornsätze, in denen sich viel Luft und kaum Substanz findet.»