Marrakesch (dpa) - Syriens Machthaber Baschar al-Assad gerät nach mehr als eineinhalb Jahren Bürgerkrieg international immer weiter in die Isolation.

Die Syrien-«Freundesgruppe» aus mehr als hundert Staaten und Organisationen verständigte sich am Mittwoch in Marrakesch darauf, das Oppositionsbündnis Nationale Koalition als «legitime Vertretung des syrischen Volkes» anzuerkennen. Dies geht aus dem Entwurf der Abschlusserklärung des eintägigen Treffens hervor, das der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt.

Die Nationale Koalition unter Führung des Geistlichen Muas al-Chatib wurde erst vor einem Monat gegründet. Wegen der vielen Streitigkeiten innerhalb der syrischen Opposition war die «Freundesgruppe» vor einer solchen Anerkennung lange Zeit zurückgeschreckt. Außer der USA und der Europäischen Union (EU) umfasst diese auch zahlreiche arabische Staaten.

US-Präsident Barack Obama hatte den Schritt der USA am Dienstagabend im Programm des TV-Senders ABC bekanntgegeben. «Die Anerkennung bedeutet natürlich auch Verantwortung», unterstrich er. Wie ABC unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, geht mit der Anerkennung nicht die Aufnahme von Waffenlieferungen an die Gegner Assads einher. Jedoch sei dazu eine Tür geöffnet worden.

Außenminister Guido Westerwelle lobte die Koalition dafür, dass sie innerhalb weniger Wochen eine «beeindruckende Leistung» gezeigt habe. «Trotzdem bleibt noch viel zu tun. Nur eine politische Lösung, die alle einschließt, wird die Gewalt beenden und einen dauerhaften Frieden bringen.» Angesichts des Winters stockte die Bundesregierung ihre humanitäre Hilfe für Opfer des Syrienkonflikts um weitere 22 Millionen auf jetzt mehr 90 Millionen Euro auf. Damit gehört Deutschland zu den größten Geberländern.

Die UN rechnen damit, dass zu Beginn 2013 etwa vier Millionen Menschen in Syrien auf Hilfe von außerhalb angewiesen sein werden. Mehr als 460 000 Syrer sind bereits in Ausland geflohen, vor allem in Länder wie Jordanien, den Libanon und die Türkei.

In der geplanten Abschlusserklärung warnt die «Freundesgruppe» das Assad-Regime vor jedem Einsatz chemischer oder biologischer Waffen. Dies hätte eine «ernste Antwort» zur Folge, heißt es wörtlich. Zugleich wird Assad zum Rücktritt aufgefordert.

Die syrische Opposition wandte sich strikt gegen eine Intervention ausländischer Truppen in dem Bürgerkriegsland. Al-Chatib sagte vor der Marrakesch-Konferenz, die Menschen in Syrien fragten sich, warum jetzt, wo der Sturz des Regimes bevorstehe, über eine Intervention gesprochen werde. Schließlich habe in den vergangenen Monaten, als die Regierungstruppen Wohnviertel bombardierten, niemand eingreifen wollen.

Die britische Zeitung «Independent» hatte zuvor berichtet, Großbritannien, die USA, die Türkei und andere Staaten hätten über die Ausbildung syrischer Rebellen gesprochen. Auch eine See- und Luftunterstützung für die Regimegegner werde erwogen. Al-Chatib erklärte dazu: «Wir haben keine geheimen Abkommen mit den USA unterzeichnet.»

Der Oppositionschef forderte die Konferenz auf, einen Fonds für den Wiederaufbau Syriens einzurichten. Er appellierte an die Angehörigen der alawitischen Minderheit, zivilen Ungehorsam gegen das Regime zu leisten. Viele ausländische Beobachter befürchten, dass es nach dem Sturz Assads zu Massakern an alawitischen Zivilisten kommen könne. Assad und ein großer Teil der Kommandeure der Sicherheitskräfte gehören dieser muslimischen Minderheit an. In seiner sehr emotionalen Rede betonte Al-Chatib: «Wir sind dagegen, dass man Menschen zu Ungläubigen erklärt und damit dann rechtfertigt, sie zu töten.»

Auswärtiges Amt zu Syrien