Kairo/Riad (dpa) - Während die ägyptische Opposition noch auf eine Verschiebung des Verfassungsreferendums drängt, hat die Abstimmung im Ausland bereits begonnen. Dabei steht überhaupt noch nicht fest, wann die Wahlberechtigten in der Heimat ihre Stimme abgeben können.

Ein Großteil der Richter weigert sich nämlich, das Referendum zu überwachen. Deshalb sollen die Ägypter an zwei Tagen über den Verfassungsentwurf abstimmen, wie die Kairoer Tageszeitung «Al-Watan» und die staatliche Website «Al-Ahram» am Mittwoch meldeten.

In Kairo und neun weiteren Provinzen werde an diesem Samstag abgestimmt. Die anderen Provinzen seien eine Woche später dran, heißt es. Der Generalsekretär der Wahlkommission, Saghlul al-Balschi, sagte jedoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, die Wahlkommission plane nicht, die Abstimmung an zwei Tagen abzuhalten.

Die liberalen Parteien, die Linke und die Kirchen lehnen den Verfassungsentwurf ab, weil die Islamisten ihrer Ansicht nach den Umbau Ägyptens zu einer Islamischen Republik vorbereiten.

Der ägyptische Botschafter in Riad, Afifi Abdelwahab, sagte am Mittwoch, in Saudi-Arabien seien 261 924 Wähler registriert. Er widersprach Medienberichten, wonach die Botschaft den Wählern angeblich geraten haben soll, mit «Ja» zu stimmen.

Die staatlichen Medien meldeten unterdessen, der von Präsident Mohammed Mursi im November eingesetzte neue Generalstaatsanwalt, Talaat Abdullah, habe den Staatsanwalt Mustafa Chatir aus Ost-Kairo in die Provinz versetzt. Dieser hatte die Freilassung fast aller Demonstranten angeordnet, die nach den blutigen Straßenschlachten vor dem Präsidentenpalast vor einer Woche festgenommen worden waren. Oppositionelle erklärten, die Versetzung des Staatsanwaltes nach Bani Sueif sei politisch motiviert.

Die Muslimbruderschaft hatte nach den Zusammenstößen erklärt, die säkularen Parteien und nicht näher bezeichnete ausländische Gruppen hätten die Demonstranten, die gegen den islamistischen Staatschef protestierten, zur Gewalt angestachelt und zum Teil sogar bezahlt.