Frankfurt/Main (SID) - Der renommierte Sportsoziologe und Fanforscher Gunter A. Pilz erwartet nach der Verabschiedung des umstrittenen DFL-Sicherheitskonzepts keine monatelange Fortsetzung der Fan-Proteste im deutschen Fußball mehr. "Ich lege fast meine Hand dafür ins Feuer, dass wir nach der Winterpause wieder zur normalen Tagesordung übergehen und auch die Fanvertreter die Chance erkennen", sagte Pilz dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Sollten die Fans "jetzt noch nachkarten, kommt mir das so vor, wie die beleidigte Leberwurst", sagte der 67-Jährige: "Ich kann nicht monatelang darüber lamentieren, dass man beim ersten Entwurf nicht mitgenommen wurde und dann einfach vergessen, dass im Anschluss ein intensiver Dialog geführt wurde, der jetzt sogar in den Statuten festgeschrieben ist."

In dem Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL), das am Mittwoch von den 36 Profi-Vereinen in Frankfurt/Main mit einer deutlichen Mehrheit beschlossen wurde, stehen die von Fans befürchteten "Ganzkörperkontrollen ja bewusst nicht drin", sagte Pilz: "Ich gehe davon aus, dass, wenn der Dialog intensiviert wird, keiner daran Interesse hat, dass ein positiver Prozess durch ein paar Chaoten in Frage gestellt wird."

Verschiedene Fanvertreter hatten direkt nach der Entscheidung der DFL weitere Proteste angekündigt. Mit einem eindrucksvollen Stimmungsboykott hatten die Anhänger an den vergangenen drei Spieltagen die Fankurven in den ersten 12 Minuten und 12 Sekunden schweigen lassen, zudem waren am vergangenen Wochenende Tausende aus Protest gegen das Konzept auf die Straße gegangen.