Gelsenkirchen (dpa) - Schalke-Manager Horst Heldt hat die Trennung von Trainer Huub Stevens noch vor dem DFB-Pokal-Achtelfinale verteidigt.

Die Führung des Fußball-Bundesligisten habe «nicht mehr daran geglaubt, dass wir dieses wichtige Spiel gegen Mainz in der jetzigen Konstellation bewerkstelligen können», sagte Heldt in Gelsenkirchen auf einer Pressekonferenz. Die Mannschaft sei unter Stevens in der Bundesliga-Hinrunde «komplett hinter den Erwartungen» geblieben, kritisierte der Manager. Als Nachfolger des Niederländers Stevens wurde der bisherige U 17-Coach Jens Keller präsentiert.

Heldt, der zuvor zurecht von einer «insgesamt sehr, sehr hektischen» Situation gesprochen hatte, hatte sich nach dem 1:3 gegen Freiburg über Nacht seine Gedanken gemacht - und Stevens wurde am Sonntagmorgen zum Gespräch gebeten. Resultat: Schalkes «Jahrhunderttrainer» muss zusammen mit seinem Assistenten Markus Gisdol gehen. Die Entscheidung sei allen Beteiligten angesichts der großen Verdienste, die sich Stevens um den Verein erworben hat, «alles andere als leicht gefallen», hieß es einer Erklärung.

Die Mechanismen des Fußballgeschäfts sprachen im Grunde schon am Samstagabend gegen Stevens. «Das tut weh im Augenblick. Natürlich ist unser Anspruch ein anderer», kommentierte Heldt das sechste Spiel der Schalker in Serie ohne Sieg und das Absacken auf den siebten Tabellenplatz. Heldt: «Wir sind leider hinter unseren Erwartungen geblieben, erfolgreichen Fußball spielen zu wollen.» Die Frage nach der Zukunft von Stevens konnte oder wollte Heldt zu diesem Zeitpunkt «nicht zufriedenstellend beantworten».

Schalke-Profi Christoph Metzelder tat es indirekt und hatte wohl ein untrügliches Gefühl, dass Stevens als schwächstes Glied der Kette zum schnellen Opfer werden würde, zumal «das ganze Gebilde momentan sehr zerbrechlich ist». Metzelder schwante Böses für Stevens: «Das ist einfach so im Profifußball. Es kommt alles zusammen, auch in den vergangenen Wochen. Und das ist gefährlich», ergänzte der erfahrene Metzelder, der zu diesem Zeitpunkt trotz aller Ahnungen noch von einer zumindest kurzfristigen gemeinsamen Zukunft mit Stevens ausging: «Für das Pokalspiel müssen wir uns noch mal zusammenreißen, um das Jahr mit einem positiven Erlebnis zu beenden.»

Auch Stevens, den die Schalker nach dem Rücktritt des damaligen Schalker Chefcoachs Ralf Rangnick aus gesundheitlichen Gründen im September 2011 zum zweiten Mal verpflichtet hatten, wollte dieses Erlebnis noch haben. Er betonte zwar, seine eigene Zukunft sei nicht so wichtig. Aber er wolle seinen bis Saisonende laufenden Vertrag vollenden. Seine Kurzzeit-Vorgabe: «Das Spiel gegen Freiburg aufarbeiten und am Dienstag wieder Leistung bringen.»

Es wurde nichts aus diesem Vorhaben. Schalkes U 17-Coach Jens Keller wurde mit der Aufgabe betraut und leitete 13 Stunden nach dem Ende der Freiburg-Partie erstmals das Profitraining. Fraglich ist, ob diese Maßnahme nur übergangsweise Bestand haben wird oder zur Rückrunde ein Neuer präsentiert wird. Schalke-Boss Clemens Tönnies versicherte indes: «Er wird garantiert bis zum Ende der Saison bleiben. Wir werden uns ansehen, wie Keller arbeitet.»

Dennoch wird als Christian Gross möglicher Ersatzkandidat gehandelt. Ihn kennt Heldt noch aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Stuttgart, stellte den Schweizer dort im Dezember 2009 ein. Gross' Nachfolger wurde zehn Monate später Jens Keller.