Berlin (dpa) - Die Verbraucherzentralen fordern grundlegende Korrekturen beim Umbau der Stromversorgung. Die Energiewende sei richtig, sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Gerd Billen, der Nachrichtenagentur dpa.

Aus Verbrauchersicht sei sie aber «teurer als sie sein müsste. Sie ist zu schlecht koordiniert, sie ist zu schlecht geplant». Er verlangte die Abschaffung der Privilegien, die viele Firmen von Netzentgelten und der Ökostrom-Umlage befreiten. Dadurch müssten die Privathaushalte den größten Teil der Mehrkosten für die Energiewende schultern. «Das ist ungerecht - auch, weil wir sehr viele Verbraucher mit geringen Einkommen haben.»

Billen kritisierte Planungen für zweifelhafte Großprojekte, die ebenfalls hohe Kosten verursachten. «Wir sehen gerade mit Sorge, dass sich in der Nordsee vermutlich eine Wiederholung von Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie andeutet.» Auf hoher See seien Windräder für mehr als eine Milliarde Euro geplant, die aber voraussichtlich keinen Strom liefern könnten, weil die Netzanbindung fehle. «Das ist eine gigantische Vergeudung von Geld.»

Die Energiewende müsse ein Preisschild bekommen, argumentierte der Verbraucherschützer. «Damit wir mitentscheiden können, was die effizienteren Wege sind und was teurer Schnickschnack, den wir uns nicht leisten können.» Nach der Bundestagswahl im Herbst müsse die Regierung, wie immer sie sich zusammensetze, die Energiewende neu aufstellen. «Wichtige Themen sollten künftig in einem Energie- und Klimaministerium gebündelt werden.»